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Hörgeräte

Hörverstärker oder Hörgerät: Wo liegt der Unterschied?

Redaktion HörviaStand: Oktober 20266 Min. Lesezeit

Hörverstärker machen alle Geräusche lauter. Hörgeräte verstärken gezielt die Tonhöhen, die Ihnen fehlen, und werden nach einem Hörtest auf Ihr Gehör eingestellt. In Deutschland sind Hörgeräte Medizinprodukte und eine Leistung der Krankenkasse, Hörverstärker dagegen frei verkäufliche Elektronik ohne Kassenzuschuss.

Was ein Hörverstärker ist

Hörverstärker, auch persönliche Schallverstärker genannt, werden online, in Drogerien oder im Versandhandel verkauft. Sie sehen Hörgeräten oft ähnlich, sind aber für Menschen gedacht, die in bestimmten Situationen etwas lauter hören möchten, etwa beim Vogelbeobachten oder bei einem Vortrag. Sie sind nicht als Medizinprodukt zur Behandlung eines Hörverlusts zugelassen.

Die wichtigsten Unterschiede

HörverstärkerHörgerät
Rechtlicher StatusElektronikartikelMedizinprodukt, Hilfsmittel der Krankenkasse
Hörtest vorherneinja, ärztlich und beim Hörakustiker
Einstellungmeist nur Lautstärke, selten einfache Klangprofileindividuell nach Hörkurve, für jedes Ohr und jede Tonhöhe
Schutz vor zu lautem Schalloft unzureichendAusgangspegel wird nach Ihrem Gehör begrenzt
Störgeräuschunterdrückungeinfach oder nicht vorhandenje nach Gerät mehrere Stufen, Richtmikrofone
BetreuungkeineAnpassung, Nachsorge, Wartung
Kostenübernahmekeinegesetzliche Krankenkasse bis zum Festbetrag

Warum ein Hörverstärker problematisch sein kann

  • Er verstärkt das Falsche: Bei typischer Altersschwerhörigkeit fehlen vor allem die hohen Töne. Ein Hörverstärker macht oft alles gleichmäßig lauter, auch die tiefen Töne, die Sie noch gut hören. Sprache wird dadurch nicht unbedingt verständlicher, nur lauter.
  • Er kann zu laut werden: Ohne Begrenzung nach Ihrem Gehör können laute Geräusche ungebremst verstärkt werden. Das ist unangenehm und kann das Gehör zusätzlich belasten.
  • Die Ursache bleibt unklar: Wer ohne Untersuchung zu einem Verstärker greift, übersieht vielleicht eine behandelbare Ursache wie einen Ohrenschmalzpfropf oder eine Mittelohrerkrankung.
  • Er kostet trotzdem Geld: Ein Hörgerät ohne Aufzahlung kostet gesetzlich Versicherte meist nur die gesetzliche Zuzahlung. Ein Hörverstärker kostet den vollen Preis.
Wenn Sie den Eindruck haben, schlechter zu hören, lassen Sie zuerst die Ursache klären. Ein Hörverstärker sollte keine HNO-Untersuchung ersetzen.

Und was ist mit Kopfhörern mit Hörfunktion?

Manche moderne Kopfhörer und Ohrhörer bieten Funktionen, die den Klang an ein Hörprofil anpassen oder Gespräche verstärken. In den USA gibt es seit 2022 eine eigene Kategorie frei verkäuflicher Hörgeräte für Erwachsene mit leichtem bis mittlerem Hörverlust. In Deutschland gibt es eine solche eigene Kategorie nicht. Welche Funktionen hierzulande verfügbar sind, ist je nach Gerät unterschiedlich.

Solche Produkte können für manche Menschen eine Ergänzung sein. Sie ersetzen aber nicht die ärztliche Abklärung, und sie werden von der gesetzlichen Krankenkasse nicht als Hörgerät bezahlt.

Vorsicht bei Werbeversprechen

Im Internet werden Hörverstärker manchmal mit Begriffen wie „Hörgerät“, „unsichtbar“ oder „klinisch getestet“ beworben, oft zu sehr niedrigen Preisen. Prüfen Sie genau, was Sie kaufen. Ein echtes Hörgerät trägt eine Kennzeichnung als Medizinprodukt, und seriöse Anbieter erklären, wie es auf Ihr Gehör eingestellt wird. Fehlt beides, handelt es sich in der Regel um einen Verstärker. Im Zweifel fragen Sie beim Hörakustiker oder in der Apotheke nach. Seien Sie auch skeptisch bei Angeboten, die ohne jeden Hörtest eine Lösung für jeden Hörverlust versprechen.

Wann ein Hörverstärker in Ordnung sein kann

Für normal hörende Menschen, die in einer bestimmten Situation etwas mehr Lautstärke möchten, kann ein Verstärker eine Spielerei sein. Wer aber im Alltag Gespräche schlecht versteht, ist mit einem Hörverstärker in der Regel nicht gut beraten. Das gilt besonders dann, wenn Sie ohnehin Anspruch auf eine Versorgung über die Krankenkasse hätten.

Der Weg zum Hörgerät auf Kassenkosten

  1. Hörtest zur Orientierung, online oder beim Hörakustiker
  2. Untersuchung und Verordnung in der HNO-Praxis
  3. Beratung und Probetragen beim Hörakustiker, mit mindestens einem aufzahlungsfreien Gerät
  4. Abschluss und Kontrolle durch die HNO-Praxis

Das klingt nach mehr Aufwand als ein Klick im Onlineshop. Dafür bekommen Sie ein Gerät, das zu Ihrem Gehör passt, eine Betreuung über Jahre und die Sicherheit, dass keine behandelbare Ursache übersehen wurde.

Die Einzelheiten erklären die Beiträge Hörgeräteverordnung beim HNO und Festbetrag und Zuzahlung.

Wer von einem Hörgerät profitiert

Ein Hörgerät lohnt sich nicht erst bei starkem Hörverlust. Schon bei leichtem bis mittlerem Hörverlust berichten viele Menschen, dass Gespräche weniger anstrengend werden. Ob die Krankenkasse zahlt, richtet sich nach den Messwerten der Hilfsmittel-Richtlinie. Liegen diese noch nicht vor, ist es oft sinnvoller, das Gehör regelmäßig kontrollieren zu lassen, als zu einem Hörverstärker zu greifen.

Ein ehrlicher Vergleich der Kosten

Viele Menschen greifen zum Hörverstärker, weil sie hohe Hörgerätekosten fürchten. Dabei ist die Lage für gesetzlich Versicherte besser als ihr Ruf: Der Hörakustiker muss Ihnen eine geeignete Versorgung ohne Aufzahlung anbieten. Sie zahlen dann in der Regel nur die gesetzliche Zuzahlung von 10 € je Gerät, dazu als Erwachsener die Batterien. Wie hoch Ihr möglicher Eigenanteil ausfällt, zeigt der kostenlose Zuzahlungsrechner. Und wenn Sie unsicher sind, ob Sie überhaupt ein Hörgerät brauchen, beginnen Sie mit dem Online-Hörtest.

Häufige Fragen

Ist ein Hörverstärker ein Hörgerät?

Nein. Hörverstärker sind Elektronikartikel ohne individuelle Anpassung. Hörgeräte sind Medizinprodukte, die nach einem Hörtest auf Ihr Gehör eingestellt werden.

Zahlt die Krankenkasse Hörverstärker?

Nein. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt Hörgeräte als Hilfsmittel bis zum Festbetrag, Hörverstärker aber nicht.

Kann ein Hörverstärker schaden?

Wenn er laute Geräusche ungebremst verstärkt, kann das unangenehm sein und das Gehör zusätzlich belasten. Außerdem bleibt eine mögliche behandelbare Ursache unentdeckt.

Gibt es in Deutschland rezeptfreie Hörgeräte wie in den USA?

Eine eigene Kategorie frei verkäuflicher Hörgeräte wie in den USA gibt es in Deutschland nicht. Hörgeräte auf Kassenkosten setzen bei der Erstversorgung eine ärztliche Verordnung voraus.

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Quellen

  1. G-BA: Hilfsmittel-Richtlinie, Abschnitt C Hörhilfen (Stand 2025): www.g-ba.de
  2. SGB V § 33: Hilfsmittel: www.gesetze-im-internet.de
  3. SGB V § 127: Verträge und Beratungspflicht: www.gesetze-im-internet.de

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.