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Hörverlust verstehen

Grade der Schwerhörigkeit: von leicht bis hochgradig

Redaktion HörviaStand: Oktober 20266 Min. Lesezeit

Die Weltgesundheitsorganisation teilt Hörverlust nach dem Mittelwert des besser hörenden Ohres bei 500, 1.000, 2.000 und 4.000 Hertz ein. Ab 20 Dezibel spricht sie von einem leichten Hörverlust, ab 35 von einem mittleren, ab 50 von einem mittelschweren, ab 65 von einem schweren, ab 80 von einem hochgradigen und ab 95 Dezibel von einem vollständigen Hörverlust.

Die Einteilung der WHO im Überblick

Im World Report on Hearing aus dem Jahr 2021 hat die WHO eine einheitliche Einteilung veröffentlicht. Grundlage ist der durchschnittliche Hörverlust auf dem besser hörenden Ohr über die vier für Sprache wichtigen Frequenzen 500, 1.000, 2.000 und 4.000 Hertz.

GradHörverlust (besseres Ohr)Typisch im Alltag
normalunter 20 dBkeine Schwierigkeiten
leicht20 bis unter 35 dBin Ruhe gut, im Lärm mühsam
mittel35 bis unter 50 dBGespräche auch in Ruhe teils schwer
mittelschwer50 bis unter 65 dBGespräche nur bei lauter Stimme
schwer65 bis unter 80 dBSprache meist nicht mehr verständlich
hochgradig80 bis unter 95 dBauch laute Sprache kaum hörbar
vollständigab 95 dBSprache und die meisten Geräusche nicht hörbar

Die Beschreibungen in der rechten Spalte sind vereinfacht. Zwei Menschen mit gleichem Messwert können im Alltag sehr unterschiedlich zurechtkommen.

Warum der Mittelwert nicht alles sagt

Ein Durchschnitt über vier Frequenzen glättet das Bild. Viele Menschen hören tiefe Töne fast normal und hohe Töne deutlich schlechter. Rechnerisch ergibt das vielleicht einen leichten Hörverlust, im Alltag fehlen aber wichtige Sprachlaute. Deshalb schauen Fachleute immer auf die ganze Hörkurve und auf das Sprachverstehen. Wie Sie eine Hörkurve lesen, erklärt der Beitrag Audiogramm lesen.

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Leichter Hörverlust

In ruhiger Umgebung verstehen Sie meist alles. Schwierig wird es im Restaurant, bei Familienfeiern oder wenn jemand leise oder vom Nebenraum aus spricht. Viele bemerken einen leichten Hörverlust selbst kaum, das Umfeld eher. Hörgeräte können hier schon helfen, die Krankenkasse beteiligt sich aber nur, wenn die Kriterien der Hilfsmittel-Richtlinie erfüllt sind. Mehr dazu im Beitrag Ab wann braucht man ein Hörgerät?

Mittlerer und mittelschwerer Hörverlust

Gespräche werden auch ohne Störgeräusche anstrengend. Fernseher und Telefon laufen lauter, Nachfragen gehören zum Alltag. In diesem Bereich sind Hörgeräte die übliche Versorgung. Alle gängigen Bauformen kommen in Frage, also Hörer im Ohr, Hinter dem Ohr und viele Im-Ohr-Geräte. Einen Vergleich finden Sie im Beitrag Hörgeräte-Bauformen.

Schwerer und hochgradiger Hörverlust

Hier braucht es leistungsstarke Hörgeräte, oft Hinter-dem-Ohr-Geräte mit individuellem Ohrpassstück oder Hörer-im-Ohr-Geräte mit starkem Lautsprecher. Zusätzliche Technik wie Funkmikrofone, Lichtsignalanlagen für die Klingel oder Untertitel beim Fernsehen erleichtern den Alltag. Für eine an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit gilt bei der gesetzlichen Krankenkasse ein höherer Festbetrag.

Vollständiger Hörverlust

Wenn Hörgeräte nicht mehr ausreichen, kann ein Cochlea-Implantat eine Möglichkeit sein. Ob es in Frage kommt, klären spezialisierte Kliniken. Mehr dazu im Beitrag Cochlea-Implantat.

Grad der Behinderung ist etwas anderes

Die WHO-Einteilung beschreibt das Hörvermögen. Für einen Schwerbehindertenausweis bewertet das Versorgungsamt nach eigenen Regeln, wie stark die Hörminderung die Teilhabe einschränkt. Die Zahlen beider Systeme lassen sich nicht direkt übertragen.

Wie Sie Ihren Grad einschätzen

Eine genaue Einteilung setzt eine Messung mit kalibrierten Geräten voraus, beim HNO-Arzt oder beim Hörakustiker. Als erste Orientierung zeigt unser kostenloser Online-Tonhörtest, ob Ihre Hörkurve auffällig ist. Er ersetzt keine Messung, hilft aber bei der Entscheidung, ob Sie einen Termin machen sollten.

Andere Einteilungen, die Ihnen begegnen können

Neben der WHO-Einteilung gibt es weitere Systeme. In Arztbriefen steht manchmal eine Einteilung nach Prozent Hörverlust, die aus dem Sprachaudiogramm berechnet wird. Sie ist zum Beispiel für die Begutachtung im Versorgungsrecht gebräuchlich. Ältere Unterlagen verwenden teils andere Grenzwerte als die WHO-Fassung von 2021. Lassen Sie sich im Zweifel erklären, welche Einteilung gemeint ist.

Art des Hörverlusts

Neben dem Grad unterscheiden Fachleute die Art des Hörverlusts. Bei einer Schallleitungsschwerhörigkeit kommt der Schall nicht richtig im Innenohr an, etwa wegen Ohrenschmalz, eines Paukenergusses oder einer Erkrankung der Gehörknöchelchen. Sie ist oft behandelbar. Bei einer Schallempfindungsschwerhörigkeit liegt die Ursache im Innenohr oder im Hörnerv, typisch bei Alters- und Lärmschwerhörigkeit. Es gibt auch Mischformen. Welche Art vorliegt, zeigt der Vergleich von Luft- und Knochenleitung im Audiogramm beim HNO-Arzt.

Verlauf beobachten

Ein Hörverlust ist kein fester Zustand. Altersbedingte Verluste schreiten meist langsam voran. Eine Kontrolle alle ein bis zwei Jahre zeigt, ob die Einstellung Ihrer Hörgeräte noch passt. Bei plötzlicher Verschlechterung, etwa über Nacht, gehen Sie bitte zeitnah zum Arzt.

Häufige Fragen

Ab wann gilt man als schwerhörig?

Nach der WHO-Einteilung beginnt ein leichter Hörverlust bei durchschnittlich 20 Dezibel auf dem besser hörenden Ohr.

Was ist ein mittelgradiger Hörverlust?

Ein durchschnittlicher Hörverlust von 35 bis unter 50 Dezibel. Gespräche werden dann auch in ruhiger Umgebung teilweise schwierig.

Kann man den Grad selbst messen?

Nur grob. Online-Tests geben eine Orientierung. Eine verlässliche Einteilung braucht eine Messung beim HNO-Arzt oder Hörakustiker.

Hilft ein Hörgerät bei jedem Grad?

Bei leichtem bis hochgradigem Hörverlust meist ja. Bei vollständigem Hörverlust kann ein Cochlea-Implantat in Frage kommen.

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Quellen

  1. WHO: World Report on Hearing (2021), Einteilung der Schweregrade: www.who.int
  2. WHO: Deafness and hearing loss (Faktenblatt): www.who.int
  3. GKV-Spitzenverband: Festbeträge für Hörhilfen (gültig seit 1. April 2022): www.gkv-spitzenverband.de
  4. gesundheitsinformation.de (IQWiG): Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit bei Erwachsenen: www.gesundheitsinformation.de

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

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