Zum Inhalt springen
Hörgeräte

Hörgeräte-Bauformen im Vergleich: HdO, RIC und Im-Ohr

Redaktion HörviaStand: Oktober 20267 Min. Lesezeit

Hörgeräte gibt es in drei Grundformen: hinter dem Ohr mit Schallschlauch, hinter dem Ohr mit Hörer im Gehörgang und ganz im Ohr. Welche Bauform zu Ihnen passt, hängt vor allem von Ihrem Hörverlust, der Form Ihres Gehörgangs und Ihrer Fingerfertigkeit ab, erst danach vom Aussehen. Hier sehen Sie die Unterschiede auf einen Blick.

Die drei Grundformen

BauformSo sitzt sieGeeignet für
HdO mit SchallschlauchGehäuse hinter dem Ohr, Schall läuft über einen Schlauch zum Ohrpassstückleichten bis hochgradigen Hörverlust, sehr robust
RIC oder Ex-Hörerkleines Gehäuse hinter dem Ohr, Lautsprecher sitzt im Gehörgangleichten bis starken Hörverlust, heute sehr verbreitet
Im-Ohr (IdO)gesamte Technik in einer Schale im Gehörgang oder in der Ohrmuschelleichten bis mittleren, je nach Größe auch stärkeren Hörverlust

Die Hilfsmittel-Richtlinie nennt Hinter-dem-Ohr- und Im-Ohr-Geräte ausdrücklich als Standardversorgung. Beide Formen sind also grundsätzlich als Kassenleistung möglich.

Hinter-dem-Ohr-Geräte mit Schallschlauch

Das klassische HdO-Gerät liegt hinter der Ohrmuschel. Ein dünner oder etwas dickerer Schlauch führt den Schall zu einem individuell angefertigten Ohrpassstück, der Otoplastik. Diese Bauform hat Platz für einen kräftigen Lautsprecher und einen größeren Akku oder eine größere Batterie.

  • Vorteile: sehr leistungsstark, robust, gut zu bedienen, weniger anfällig für Ohrenschmalz und Feuchtigkeit, da die Elektronik außerhalb des Gehörgangs liegt
  • Nachteile: etwas größer und sichtbarer, der Schlauch muss gelegentlich gewechselt werden
  • Gut für: starke und hochgradige Hörverluste, Kinder, Menschen mit häufigen Gehörgangsentzündungen

RIC-Geräte: Hörer im Gehörgang

Bei RIC-Geräten (Receiver in Canal), auch Ex-Hörer genannt, sitzt der Lautsprecher direkt im Gehörgang. Er ist über einen dünnen Draht mit dem kleinen Gehäuse hinter dem Ohr verbunden. Im Ohr hält ihn ein Schirmchen aus Silikon, der Dome, oder ein individuelles Ohrpassstück.

  • Vorteile: klein und unauffällig, natürlicher Klang, offene Versorgung möglich, sodass das Ohr nicht verschlossen wirkt
  • Nachteile: Der Hörer im Gehörgang ist empfindlicher gegenüber Ohrenschmalz und Feuchtigkeit. Filter und Dome müssen regelmäßig gewechselt werden.
  • Gut für: leichte bis starke Hörverluste, besonders den typischen Hochtonverlust

Im-Ohr-Geräte

Im-Ohr-Geräte werden nach einem Abdruck oder einem 3D-Scan Ihres Gehörgangs gefertigt. Es gibt sie in mehreren Größen, von Geräten, die die Ohrmuschel ausfüllen, bis zu sehr kleinen Geräten tief im Gehörgang. Wie unauffällig sie sein können, lesen Sie im Beitrag Unsichtbare Hörgeräte.

  • Vorteile: nichts hinter dem Ohr, gut mit Brille und Maske kombinierbar, das Mikrofon sitzt dort, wo die Natur es vorgesehen hat
  • Nachteile: Je kleiner, desto weniger Platz für Technik, Akku und Bedienelemente. Das Ohr ist stärker verschlossen, die eigene Stimme kann dumpf klingen. Nicht jeder Gehörgang ist groß genug.
  • Gut für: leichte bis mittlere Hörverluste, Menschen mit Brille, alle, die nichts hinter dem Ohr möchten

Sonderformen

Für besondere Situationen gibt es weitere Lösungen. Knochenleitungshörgeräte übertragen den Schall über den Schädelknochen, etwa wenn der Gehörgang fehlt oder dauerhaft entzündet ist. CROS-Systeme leiten den Schall von einem tauben Ohr zum gut hörenden. Und für Kinder werden Hörgeräte so gewählt, dass sich Zusatztechnik wie eine Übertragungsanlage für den Unterricht anschließen lässt. Diese Lösungen gehören in die Hände spezialisierter Fachleute.

Offene oder geschlossene Versorgung

Unabhängig von der Bauform entscheidet die Ankopplung im Ohr, wie natürlich es klingt. Bei einer offenen Versorgung bleibt der Gehörgang belüftet. Tiefe Töne, die Sie noch gut hören, kommen auf natürlichem Weg ins Ohr. Das fühlt sich leicht an und die eigene Stimme klingt normal. Bei stärkerem Hörverlust braucht es eine geschlossenere Ankopplung, damit genug Verstärkung ankommt und es nicht pfeift. Ihr Hörakustiker wählt das passend zu Ihrer Hörkurve.

Welche Bauform passt zu Ihnen?

Diese Fragen helfen bei der Entscheidung:

  1. Wie stark ist Ihr Hörverlust? Bei hochgradigem Hörverlust sind leistungsstarke HdO-Geräte oft die beste Wahl.
  2. Wie geschickt sind Ihre Finger? Kleine Geräte und winzige Batterien sind für manche Menschen schwer zu handhaben. Akku-Geräte mit Ladeschale helfen.
  3. Tragen Sie eine Brille oder Maske? Dann sind Im-Ohr-Geräte oder schmale RIC-Geräte oft angenehmer.
  4. Wie sieht Ihr Gehörgang aus? Sehr enge oder gewundene Gehörgänge begrenzen die Im-Ohr-Möglichkeiten.
  5. Was ist Ihnen im Alltag wichtig? Telefonieren, Musik, Streaming vom Fernseher, Sport oder ein möglichst unsichtbares Gerät.
Lassen Sie sich nicht nur nach dem Aussehen beraten. Das kleinste Gerät ist nicht automatisch das beste für Ihr Gehör. Vergleichen Sie im Probetragen ruhig zwei Bauformen.

Was die Bauform mit den Kosten zu tun hat

Die gesetzliche Krankenkasse zahlt bis zum Festbetrag. Für diesen Betrag muss Ihnen der Hörakustiker eine ausreichende Versorgung ohne Aufzahlung anbieten. Häufig sind das HdO- oder RIC-Geräte. Kleine Im-Ohr-Bauformen und bestimmte Komfortfunktionen sind oft mit einer Aufzahlung verbunden. Was genau Sie zahlen, steht im Kostenvoranschlag. Mehr dazu im Beitrag Was kosten Hörgeräte?.

Ihr nächster Schritt

Der kostenlose Hörgeräte-Finder stellt Ihnen sechs Fragen zu Alltag und Wünschen und gibt eine erste Empfehlung für Bauform und Ausstattung. Damit gehen Sie gut vorbereitet in die Beratung. Wenn Sie lieber mit einem Menschen sprechen, buchen Sie das kostenlose Online-Erstgespräch.

Häufige Fragen

Welche Hörgeräte-Bauform ist die beste?

Es gibt keine beste Bauform für alle. Entscheidend sind Hörverlust, Gehörgang, Fingerfertigkeit und Ihr Alltag. Ein Vergleich im Probetragen zeigt, was Ihnen am meisten bringt.

Zahlt die Kasse auch Im-Ohr-Hörgeräte?

Im-Ohr-Geräte gehören laut Hilfsmittel-Richtlinie zur Standardversorgung. Ob eine bestimmte Im-Ohr-Bauform ohne Aufzahlung möglich ist, hängt vom Angebot und Ihrem Befund ab.

Was ist ein RIC-Hörgerät?

Ein Hinter-dem-Ohr-Gerät, dessen Lautsprecher im Gehörgang sitzt und über einen dünnen Draht verbunden ist. Es ist klein und klingt meist natürlich.

Was ist eine Otoplastik?

Ein individuell angefertigtes Ohrpassstück, das nach einem Abdruck oder Scan Ihres Gehörgangs hergestellt wird. Es hält das Hörgerät sicher und leitet den Schall ins Ohr.

Kostenloses Erstgespräch anfragen →

Quellen

  1. G-BA: Hilfsmittel-Richtlinie, Abschnitt C Hörhilfen (Stand 2025): www.g-ba.de
  2. SGB V § 127: Verträge und Beratungspflicht: www.gesetze-im-internet.de
  3. gesundheitsinformation.de (IQWiG): Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit bei Erwachsenen: www.gesundheitsinformation.de

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.