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Hörgeräte

Cochlea-Implantat: Wenn Hörgeräte nicht mehr reichen

Redaktion HörviaStand: Oktober 20267 Min. Lesezeit

Ein Cochlea-Implantat (CI) ist eine Hörprothese, die den Hörnerv direkt elektrisch anregt. Es kommt in Betracht, wenn Hörgeräte trotz bester Einstellung nicht mehr genug Sprachverstehen bringen. Nach der deutschen Leitlinie ist das bei Erwachsenen in der Regel der Fall, wenn mit Hörgeräten bei normaler Sprachlautstärke höchstens 60 Prozent der Einsilber verstanden werden.

Wie ein Cochlea-Implantat funktioniert

Ein Hörgerät macht Schall lauter. Das hilft nur, solange im Innenohr noch genügend Sinneszellen arbeiten. Sind zu viele ausgefallen, kommt auch lauter Schall nicht mehr verständlich an. Das Cochlea-Implantat umgeht die ausgefallenen Sinneszellen.

Es besteht aus zwei Teilen:

  • Implantat: Es wird in einer Operation unter die Haut hinter dem Ohr gesetzt. Ein feiner Elektrodenträger wird in die Hörschnecke eingeführt.
  • Sprachprozessor: Er wird außen getragen, ähnlich wie ein Hörgerät hinter dem Ohr oder als kleine Einheit am Kopf. Er nimmt Schall auf, wandelt ihn in elektrische Signale um und überträgt sie per Spule durch die Haut zum Implantat.

Die Elektroden reizen dann den Hörnerv. Das Gehirn lernt, diese Signale als Klänge und Sprache zu verstehen.

Wann ein CI infrage kommt

Die S2k-Leitlinie Cochlea-Implantat-Versorgung der Fachgesellschaften beschreibt die Voraussetzungen. Vereinfacht gilt für Erwachsene:

  • Mit optimal eingestellten Hörgeräten werden bei 65 dB, also normaler Sprachlautstärke, höchstens 60 Prozent der Einsilber im Freiburger Test verstanden.
  • Der Hörnerv ist funktionsfähig.
  • Es gibt keine medizinischen Gründe, die gegen eine Operation sprechen.
  • Die betroffene Person ist bereit für die anschließende Hörrehabilitation.

Ein CI kommt also nicht nur bei vollständiger Taubheit infrage. Auch Menschen mit Resthörvermögen können davon profitieren. Bei einseitiger Taubheit prüfen spezialisierte Zentren ebenfalls, ob ein CI sinnvoll ist. Für Kinder gelten eigene Kriterien. Bei gehörlos geborenen Kindern wird eine frühe Versorgung angestrebt.

Wenn Sie mit Ihren Hörgeräten trotz mehrerer Anpassungen Gespräche kaum noch verstehen, sprechen Sie Ihre HNO-Praxis gezielt auf eine Untersuchung in einem CI-Zentrum an. Eine Vorstellung dort verpflichtet Sie zu nichts.

Der Weg zum Implantat

  1. Voruntersuchung: In einer spezialisierten Klinik werden Gehör, Hörnerv, Gleichgewicht und Innenohr untersucht, meist auch mit Bildgebung.
  2. Beratung: Sie besprechen Chancen, Risiken und Erwartungen. Viele Kliniken vermitteln auch Kontakt zu Selbsthilfegruppen.
  3. Operation: Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose. Der Klinikaufenthalt dauert in der Regel einige Tage.
  4. Erstanpassung: Einige Wochen nach der Operation wird der Sprachprozessor zum ersten Mal eingeschaltet und eingestellt.
  5. Hörrehabilitation: In den folgenden Monaten wird der Prozessor schrittweise angepasst. Hörtraining und Therapie helfen dem Gehirn, die neuen Signale zu deuten.
  6. Nachsorge: Lebenslang gibt es Kontrollen und technische Betreuung.

Was Sie erwarten können

Das erste Hören mit CI klingt für viele Menschen ungewohnt, etwa metallisch oder künstlich. Das Gehirn braucht Zeit, um sich umzustellen. Wie gut das Sprachverstehen am Ende wird, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Es hängt unter anderem davon ab, wie lange der starke Hörverlust bestand, wie das Innenohr beschaffen ist und wie konsequent das Hörtraining genutzt wird. Seriöse Kliniken geben deshalb keine Versprechen, sondern besprechen realistische Erwartungen.

Unterstützung durch Selbsthilfe

Viele Menschen empfinden den Austausch mit anderen CI-Trägerinnen und -Trägern als hilfreich. Selbsthilfeverbände und regionale Gruppen bieten Gesprächsrunden, Informationsabende und Begleitung vor und nach der Operation. Dort erfahren Sie aus erster Hand, wie der Alltag mit CI aussieht, und können Fragen stellen, die im Arztgespräch zu kurz kommen.

Risiken

Wie jede Operation hat auch die CI-Operation Risiken, etwa Infektionen, vorübergehenden Schwindel, Geschmacksstörungen oder in seltenen Fällen eine Beeinträchtigung des Gesichtsnervs. Ein vorhandenes Restgehör auf dem operierten Ohr kann verloren gehen. Lassen Sie sich die Risiken in Ihrer Situation genau erklären.

Kosten

Die Cochlea-Implantat-Versorgung ist bei medizinischer Notwendigkeit eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Das umfasst Voruntersuchungen, Operation, Rehabilitation und Nachsorge. Bei privat Versicherten hängt es vom Tarif ab. Sprechen Sie vor der Operation mit Ihrer Versicherung.

CI und Hörgerät zusammen

Viele Menschen tragen auf einem Ohr ein CI und auf dem anderen ein Hörgerät. Das nennt man bimodale Versorgung. Moderne Systeme lassen sich teilweise miteinander verbinden. Auch Zubehör wie Funkmikrofone und Streaming ist mit vielen Sprachprozessoren möglich. Mehr dazu im Beitrag Hörgeräte mit Bluetooth.

Alltag mit CI

Der Sprachprozessor wird morgens angelegt und abends abgenommen, ähnlich wie ein Hörgerät. Akkus werden über Nacht geladen. Zum Schlafen, Duschen und Schwimmen wird der Prozessor in der Regel abgenommen, für Wassersport gibt es bei manchen Systemen Schutzhüllen. Vor bestimmten medizinischen Untersuchungen wie einer Magnetresonanztomografie müssen Sie angeben, dass Sie ein Implantat tragen. Ihren Implantatausweis sollten Sie deshalb immer dabeihaben.

Wo stehen Sie gerade?

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihre Hörgeräte nicht mehr genügen, ist das ein wichtiges Signal. Ein Sprachtest zeigt, wie viel Sie wirklich verstehen. Mit dem kostenlosen Sprachtest im Störgeräusch können Sie sich zur Orientierung einen Eindruck verschaffen. Für eine genaue Einschätzung führt der Weg über die HNO-Praxis. Bei einseitiger Taubheit lesen Sie auch den Beitrag Einseitige Schwerhörigkeit. Ihre Fragen besprechen wir gern im Online-Erstgespräch.

Häufige Fragen

Ab wann bekommt man ein Cochlea-Implantat?

Nach der deutschen Leitlinie kommt ein CI bei Erwachsenen in Betracht, wenn mit optimal eingestellten Hörgeräten bei 65 dB höchstens 60 Prozent der Einsilber verstanden werden. Die Entscheidung trifft ein spezialisiertes Zentrum.

Zahlt die Krankenkasse ein Cochlea-Implantat?

Bei medizinischer Notwendigkeit ja. Das umfasst Untersuchung, Operation, Rehabilitation und Nachsorge. Privat Versicherte klären die Kostenübernahme mit ihrer Versicherung.

Hört man mit einem CI wieder normal?

Ein CI ersetzt das natürliche Gehör nicht. Viele Menschen verstehen damit Sprache deutlich besser als vorher, das Ergebnis ist aber individuell sehr unterschiedlich.

Kann man ein CI und ein Hörgerät gleichzeitig tragen?

Ja. Diese bimodale Versorgung ist häufig: auf einem Ohr ein CI, auf dem anderen ein Hörgerät.

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Quellen

  1. AWMF: S2k-Leitlinie Cochlea-Implantat Versorgung (017/071): register.awmf.org
  2. gesundheitsinformation.de (IQWiG): Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit bei Erwachsenen: www.gesundheitsinformation.de
  3. G-BA: Hilfsmittel-Richtlinie, Abschnitt C Hörhilfen (Stand 2025): www.g-ba.de

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.