Hörgeräte mit Bluetooth: Streaming, Apps und Auracast

Viele Hörgeräte können heute per Bluetooth Ton direkt vom Smartphone, Tablet oder Fernseher empfangen. Telefonate, Musik und Videos landen so ohne Umweg in beiden Ohren. Dazu kommen Apps, mit denen Sie Lautstärke und Programme anpassen. Neu ist Auracast, ein Funkstandard, der Ton an vielen öffentlichen Orten direkt ins Hörgerät bringen soll.
Was Bluetooth im Hörgerät bedeutet
Ein Hörgerät mit Bluetooth verbindet sich drahtlos mit anderen Geräten. Der Ton wird nicht mehr über die Luft und das Mikrofon aufgenommen, sondern direkt als Funksignal übertragen. Das hat einen großen Vorteil: Störgeräusche im Raum und der Hall werden nicht mit übertragen. Sprache kommt klarer an.
Wie die Verbindung genau funktioniert, ist je nach Hersteller und Telefon unterschiedlich. Manche Hörgeräte verbinden sich direkt mit fast allen Smartphones, andere vor allem mit bestimmten Betriebssystemen. Fragen Sie vor dem Probetragen, ob das Hörgerät mit Ihrem Telefon zusammenarbeitet.
Was Sie mit Streaming machen können
- Telefonieren: Die Stimme Ihres Gesprächspartners kommt in beiden Ohren an. Bei vielen Geräten können Sie freihändig sprechen, weil die Mikrofone der Hörgeräte Ihre Stimme aufnehmen.
- Fernsehen: Ein TV-Adapter überträgt den Ton direkt in Ihre Hörgeräte. Die Lautstärke stellen Sie unabhängig vom Fernseher ein. Mehr dazu im Beitrag Fernsehen mit Hörverlust.
- Musik, Hörbücher, Podcasts: direkt vom Smartphone oder Tablet
- Videotelefonie: Gespräche mit Familie oder Ärztinnen per Video
- Navigation: Ansagen der Navigations-App beim Spazierengehen
Manche Hersteller bieten außerdem ein Zusatzmikrofon an. Sie legen es auf den Tisch oder geben es Ihrem Gesprächspartner. Es überträgt dessen Stimme direkt ins Hörgerät, etwa im Restaurant oder bei einem Vortrag.
Hörgeräte-Apps
Fast alle Hersteller bieten kostenlose Apps an. Je nach Modell können Sie damit:
- die Lautstärke für jedes Ohr getrennt einstellen
- zwischen Hörprogrammen wechseln, etwa für ruhige Umgebung, Restaurant oder Musik
- Höhen und Tiefen leicht anpassen
- eigene Programme für Orte speichern, die Sie oft besuchen
- den Ladezustand des Akkus sehen
- ein verlorenes Hörgerät über den letzten bekannten Standort suchen
Die App ersetzt aber nicht die Feinanpassung beim Hörakustiker. Grundlage bleibt die Einstellung nach Ihrer Hörkurve.
Fernanpassung: Einstellungen aus der Ferne
Viele aktuelle Hörgeräte erlauben eine Fernanpassung. Ihr Hörakustiker kann dann über eine Verbindung per App Einstellungen ändern, während Sie zu Hause sind. Das ist praktisch, wenn Sie zum Beispiel nach einem Familienfest merken, dass Stimmen in lauter Umgebung zu scharf klingen. Für kleine Korrekturen ersparen Sie sich so den Weg in den Betrieb.
Wichtig: Die Erstanpassung, Messungen im Ohr und Kontrollen der Technik finden weiterhin vor Ort statt. Die Fernanpassung ergänzt den persönlichen Kontakt, sie ersetzt ihn nicht.
Telefonspule und Induktionsschleife
Eine ältere, aber weiterhin wichtige Technik ist die Telefonspule, oft T-Spule genannt. In vielen Kirchen, Theatern, Rathäusern und an Schaltern sind Induktionsschleifen verlegt. Sie übertragen den Ton eines Mikrofons per Magnetfeld direkt an Hörgeräte mit Telefonspule. Ein Schild mit einem durchgestrichenen Ohr und einem T zeigt, wo das möglich ist. Wenn Sie solche Orte oft besuchen, fragen Sie bei der Auswahl gezielt nach einer Telefonspule.
Auracast: Ton für viele gleichzeitig
Auracast ist eine Funktion des neuen Bluetooth-Standards LE Audio. Ein einziger Sender kann damit Ton gleichzeitig an beliebig viele Empfänger übertragen, zum Beispiel an Hörgeräte, Cochlea-Implantate und Kopfhörer. Denkbar sind Anwendungen an Flughäfen und Bahnhöfen, in Hörsälen, Kinos, Fitnessstudios oder bei Fernsehern in Gaststätten. Sie wählen den Sender dann ähnlich wie ein WLAN aus und hören den Ton direkt im Ohr.
Auracast ist noch im Aufbau. Nicht alle Hörgeräte und nur wenige öffentliche Orte unterstützen es bislang. Wenn Sie heute ein Hörgerät für die nächsten Jahre auswählen, kann es sinnvoll sein, nach LE Audio und Auracast zu fragen.
Datenschutz und Updates
Hörgeräte-Apps verarbeiten Daten, etwa Tragezeiten oder Standort. Lesen Sie die Datenschutzhinweise und entscheiden Sie bewusst, welche Funktionen Sie freigeben. Halten Sie App und Telefon aktuell, damit die Verbindung stabil bleibt.
Bluetooth und Krankenkasse
Die gesetzliche Krankenkasse zahlt Hörgeräte bis zum Festbetrag. Ob Bluetooth und Streaming im aufzahlungsfreien Angebot enthalten sind, ist unterschiedlich. Viele Funktionen für Komfort und Unterhaltung sind mit einer Aufzahlung verbunden. Fragen Sie konkret nach, welche Funktionen ohne Aufzahlung möglich sind. Mehr dazu im Beitrag Festbetrag und Zuzahlung erklärt.
Wenn Technik Sie eher abschreckt
Nicht jeder möchte Apps und Verbindungen einrichten. Das ist völlig in Ordnung. Ein Hörgerät funktioniert auch ohne Smartphone, und die wichtigsten Funktionen laufen automatisch. Viele Hörakustiker richten die Verbindungen beim Termin gemeinsam mit Ihnen ein. Bitten Sie auch Angehörige um Hilfe, und lassen Sie sich die zwei, drei Funktionen zeigen, die Ihnen im Alltag wirklich nützen.
Gut vorbereitet in die Beratung
Überlegen Sie vorher, welche Geräte Sie verbinden möchten: Smartphone, Festnetz, Fernseher, Tablet, Computer. Nehmen Sie Ihr Smartphone zum Termin mit. Der kostenlose Hörgeräte-Finder fragt auch nach Ihren Wünschen zur Vernetzung und gibt eine erste Empfehlung.
Häufige Fragen
Funktionieren Bluetooth-Hörgeräte mit jedem Handy?
Nicht unbedingt. Je nach Hersteller und Betriebssystem gibt es Unterschiede. Lassen Sie die Verbindung mit Ihrem eigenen Smartphone im Probetragen testen.
Was ist Auracast?
Eine Funktion des Bluetooth-Standards LE Audio, mit der ein Sender Ton gleichzeitig an viele Hörgeräte und Kopfhörer übertragen kann. Sie ist noch im Aufbau.
Kann der Hörakustiker mein Hörgerät aus der Ferne einstellen?
Bei vielen aktuellen Geräten ja, über eine App. Die Erstanpassung und Kontrollen finden aber weiterhin vor Ort statt.
Brauche ich für Bluetooth eine Aufzahlung?
Das hängt vom Angebot ab. Manche aufzahlungsfreien Geräte haben Bluetooth, bei anderen gehört es zu den Komfortfunktionen mit Aufzahlung.
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Quellen
- Bluetooth SIG: Auracast Broadcast Audio: www.bluetooth.com
- G-BA: Hilfsmittel-Richtlinie, Abschnitt C Hörhilfen (Stand 2025): www.g-ba.de
- SGB V § 127: Verträge und Beratungspflicht: www.gesetze-im-internet.de
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
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