Telefonieren mit Hörverlust: Technik und Tipps

Telefonieren gehört für Menschen mit Hörverlust zu den schwierigsten Situationen, weil Mimik und Lippenbilder fehlen und die Telefonleitung den Klang beschneidet. Es gibt aber viele Hilfen: Streaming direkt ins Hörgerät, Telefone mit Verstärker, Untertitel in Echtzeit und einen Vermittlungsdienst für hörgeschädigte Menschen.
Warum Telefonieren so schwer ist
Im Gespräch von Angesicht zu Angesicht liest das Gehirn unbewusst mit. Lippenbewegungen, Gesichtsausdruck und Gesten liefern Informationen, die fehlende Laute ergänzen. Am Telefon fällt all das weg. Dazu kommt, dass Telefonleitungen manche Tonhöhen abschneiden, gerade im hohen Bereich, in dem viele Konsonanten liegen. Hintergrundgeräusche beim Gesprächspartner und eine schwache Verbindung machen es noch schwerer.
Mit Hörgeräten telefonieren
Bluetooth-Streaming
Viele Hörgeräte können Telefonate direkt empfangen. Die Stimme kommt dann in beiden Ohren an, ohne dass Sie das Telefon ans Ohr halten. Das verbessert das Verstehen spürbar, weil das Gehirn beide Ohren nutzen kann und Raumgeräusche nicht mit übertragen werden. Mehr dazu im Beitrag Hörgeräte mit Bluetooth.
Telefon ans Hörgerät halten
Ohne Streaming halten Sie den Hörer nicht an den Gehörgang, sondern an das Mikrofon des Hörgeräts. Bei Hinter-dem-Ohr-Geräten liegt es oben hinter der Ohrmuschel. Probieren Sie die beste Position in Ruhe aus. Viele Hörgeräte erkennen das Telefon und schalten automatisch auf ein Telefonprogramm um.
Telefonspule
Ältere Festnetztelefone und manche Schwerhörigentelefone senden ein Magnetfeld aus, das Hörgeräte mit Telefonspule direkt empfangen. Fragen Sie Ihren Hörakustiker, ob Ihr Gerät eine Telefonspule hat und wie Sie sie aktivieren.
Hilfen am Telefon selbst
- Telefone mit Verstärker: Sie bieten eine besonders laute Hörmuschel, eine Klangregelung und oft große Tasten. Nach der Hilfsmittel-Richtlinie sind Telefonverstärker und Schwerhörigentelefone allerdings keine Kassenleistung.
- Freisprechen: Bei leichtem Hörverlust kann der Lautsprecher in ruhiger Umgebung helfen.
- Gute Kopfhörer: Wer keine Hörgeräte trägt, versteht mit geschlossenen Kopfhörern auf beiden Ohren oft besser als mit dem Telefon an einem Ohr.
- Lichtsignal: Ein Blitzlicht oder eine Vibration zeigt Anrufe an, wenn Sie das Klingeln nicht hören.
Untertitel in Echtzeit
Viele Smartphones können gesprochene Sprache inzwischen in Text umwandeln. Je nach Gerät und Einstellungen erscheinen bei Anrufen oder Videos Live-Untertitel auf dem Bildschirm. Die Qualität hängt von Verbindung, Sprechweise und Hintergrundgeräuschen ab. Fehler kommen vor. Für Alltagsgespräche ist die Funktion trotzdem für viele Menschen eine große Hilfe. Schauen Sie in den Bedienungshilfen Ihres Telefons nach.
Videotelefonie
Bei Videoanrufen sehen Sie Ihr Gegenüber. Das Lippenbild hilft beim Verstehen, besonders bei vertrauten Menschen. Bitten Sie darum, dass Ihr Gesprächspartner sein Gesicht gut ausleuchtet und nah an der Kamera bleibt. Viele Videodienste bieten zusätzlich automatische Untertitel an.
Vermittlungsdienst für hörgeschädigte Menschen
Für gehörlose und stark schwerhörige Menschen gibt es in Deutschland einen gesetzlich vorgesehenen Vermittlungsdienst. Die Bundesnetzagentur stellt ihn sicher. Dabei übersetzt eine Dolmetscherin oder ein Dolmetscher das Telefonat in Gebärdensprache oder in Schriftsprache. Sie verbinden sich per Computer, Tablet oder Smartphone mit dem Dienst, und dieser telefoniert mit Ihrem Gesprächspartner. Informationen zu Anbieter, Kosten und Nutzung finden Sie bei der Bundesnetzagentur.
Telefonieren im Beruf
Wer beruflich viel telefoniert, sollte das bei der Hörgeräteauswahl ausdrücklich sagen. Headsets mit beidseitigem Ton, Streaming vom Computer und Untertitel in Videokonferenzen erleichtern den Arbeitsalltag erheblich. Für schwerbehinderte und gleichgestellte Beschäftigte können technische Arbeitshilfen gefördert werden. Mehr dazu im Beitrag über Schwerhörigkeit am Arbeitsplatz.
Ein weiterer Tipp: Viele Unternehmen und Behörden bieten inzwischen Chat, Rückruf mit Terminwahl oder Videoberatung an. Fragen Sie nach, wenn ein Anliegen am Telefon schwierig wird.
Tipps für Ihre Gesprächspartner
Teilen Sie Familie, Freunden und Kollegen mit, was Ihnen hilft:
- ruhig und deutlich sprechen, nicht schneller werden
- Telefonate aus ruhiger Umgebung führen
- Namen, Zahlen und Uhrzeiten wiederholen oder buchstabieren
- wichtige Infos zusätzlich per Nachricht oder E-Mail schicken
- am Anfang kurz sagen, wer spricht und worum es geht
Anrufbeantworter und Sprachnachrichten
Nachrichten auf dem Anrufbeantworter oder Sprachnachrichten in Messengern haben einen Vorteil: Sie können sie mehrfach anhören, lauter stellen oder über Kopfhörer abspielen. Viele Smartphones wandeln Sprachnachrichten auf Wunsch auch in Text um. Bitten Sie Familie und Freunde, wichtige Informationen lieber so zu schicken, wenn ein Telefonat schwierig ist.
Tipps für Sie selbst
- Suchen Sie sich für Telefonate einen ruhigen Ort und schließen Sie die Tür.
- Halten Sie Stift und Papier bereit.
- Fassen Sie am Ende zusammen, was Sie verstanden haben.
- Sagen Sie offen, dass Sie schlechter hören. Die meisten Menschen reagieren verständnisvoll.
- Vereinbaren Sie wichtige Gespräche, etwa mit Behörden, wenn möglich per Video oder schriftlich.
Wie gut verstehen Sie Sprache?
Ob Telefonprobleme auf einen Hörverlust hindeuten, zeigt der kostenlose Sprachtest im Störgeräusch. Wenn Sie wissen möchten, welche Hörgeräte für Telefonate besonders geeignet sind, sprechen Sie mit uns im Online-Erstgespräch.
Häufige Fragen
Wie telefoniere ich am besten mit Hörgeräten?
Am einfachsten per Bluetooth-Streaming direkt in beide Hörgeräte. Ohne Streaming halten Sie das Telefon an das Mikrofon des Hörgeräts, nicht an den Gehörgang.
Zahlt die Kasse ein Telefon für Schwerhörige?
Nein. Telefonverstärker und Schwerhörigentelefone sind nach der Hilfsmittel-Richtlinie keine Kassenleistung.
Gibt es Untertitel für Telefonate?
Viele Smartphones bieten inzwischen Live-Untertitel an. Die Qualität hängt von Verbindung und Sprechweise ab. Schauen Sie in den Bedienungshilfen Ihres Telefons nach.
Was ist der Vermittlungsdienst für Hörgeschädigte?
Ein von der Bundesnetzagentur sichergestellter Dienst, bei dem Dolmetscher Telefonate in Gebärden- oder Schriftsprache übersetzen.
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Quellen
- Bundesnetzagentur: Vermittlungsdienst für gehörlose und hörgeschädigte Menschen: www.bundesnetzagentur.de
- G-BA: Hilfsmittel-Richtlinie, Abschnitt C Hörhilfen (Stand 2025): www.g-ba.de
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
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