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Hörschutz & Vorsorge

Lärmschwerhörigkeit vermeiden: Gehörschutz für Job und Freizeit

Redaktion HörviaStand: Oktober 20267 Min. Lesezeit

Lärmschwerhörigkeit entsteht schleichend und ist nicht heilbar, lässt sich aber fast immer vermeiden. Am Arbeitsplatz muss der Arbeitgeber ab einem Tageslärmpegel von 80 dB(A) Gehörschutz bereitstellen, ab 85 dB(A) muss er getragen werden. In der Freizeit sind Sie selbst verantwortlich, und dort lauern oft die größeren Gefahren.

Wie Lärm das Gehör schädigt

In der Hörschnecke sitzen feine Haarsinneszellen. Zu lauter oder zu langer Schall überlastet sie. Zunächst erholen sie sich wieder: Nach einem Konzert klingt vieles gedämpft, am nächsten Tag ist es wieder gut. Wiederholt sich die Belastung oft, sterben Zellen ab. Sie wachsen beim Menschen nicht nach. Ein einzelner sehr lauter Knall, etwa ein Böller dicht am Ohr, kann die Zellen auch auf einen Schlag schädigen. Das nennt man Knalltrauma.

Lärmschäden tun nicht weh. Das macht sie tückisch. Typisch ist ein Hörverlust zuerst um 4.000 Hertz, im Audiogramm als Senke sichtbar. Oft kommt ein Tinnitus hinzu.

Warnzeichen nach Lärm

  • Ohrgeräusch wie Pfeifen oder Rauschen
  • Gefühl wie Watte im Ohr
  • gedämpftes Hören
  • Geräusche klingen verzerrt oder unangenehm laut

Klingen diese Beschwerden nicht innerhalb eines Tages ab oder sind sie sehr ausgeprägt, gehen Sie zur HNO-Praxis.

Lärm am Arbeitsplatz: was gilt

Die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung legt Auslösewerte fest:

untere Auslösewerteobere Auslösewerte
Tageslärmexpositionspegel80 dB(A)85 dB(A)
Spitzenschalldruckpegel135 dB(C)137 dB(C)
Gehörschutzmuss bereitgestellt werdenmuss getragen werden
Arbeitsmedizinische Vorsorgemuss angeboten werdenist Pflicht

Ab den oberen Auslösewerten müssen Lärmbereiche gekennzeichnet und ein Programm zur Lärmminderung aufgestellt werden. Der Gehörschutz muss so gewählt sein, dass am Ohr 85 dB(A) beziehungsweise 137 dB(C) nicht überschritten werden. Lärmschwerhörigkeit kann als Berufskrankheit anerkannt werden. Wie Sie bei Hörverlust im Beruf unterstützt werden, erklärt der Beitrag Schwerhörigkeit am Arbeitsplatz.

Lärm in der Freizeit

In der Freizeit gibt es keine Auslösewerte, aber dieselben Risiken. Das Bundesgesundheitsportal nennt für Konzerte Pegel von etwa 90 bis 120 Dezibel. Dazu kommen Clubs, Motorsport, Heimwerken, Gartengeräte, Schießsport und Feuerwerk. Die WHO warnt, dass weltweit über eine Milliarde junge Menschen durch unsicheres Hören in der Freizeit gefährdet sind. Eine Übersicht typischer Lautstärken finden Sie im Beitrag Wie laut ist zu laut?.

Welcher Gehörschutz passt

Schaumstoffstöpsel

Günstig, wirksam und überall erhältlich. Richtig eingesetzt dämmen sie stark. Wichtig: zwischen den Fingern dünn rollen, das Ohr leicht nach hinten oben ziehen, den Stöpsel einsetzen und kurz festhalten, bis er sich ausgedehnt hat. Meist für den einmaligen oder kurzen Gebrauch gedacht.

Kapselgehörschutz

Er umschließt das ganze Ohr und ist schnell auf- und abgesetzt. Gut für wechselnde Lärmphasen, etwa beim Rasenmähen oder in der Werkstatt. Mit Brille kann die Abdichtung schlechter sein.

Gehörschutz nach Maß

Hörakustiker fertigen ihn nach einem Abdruck oder Scan Ihres Gehörgangs an. Er sitzt bequem, auch über viele Stunden, und ist lange haltbar. Mit unterschiedlichen Filtern lässt er sich an die Situation anpassen:

  • lineare Filter für Musikerinnen, Musiker und Konzertbesucher. Sie dämpfen alle Tonhöhen ähnlich, sodass Musik natürlich bleibt.
  • Filter für die Arbeit, die Lärm stark dämpfen, Sprache und Warnsignale aber hörbar lassen
  • Schwimm- und Schlafschutz ohne Filter

Für den Einsatz bei der Arbeit sollte Gehörschutz nach Maß nach der Anfertigung auf Sitz und Dichtigkeit geprüft werden. Bei beruflicher Notwendigkeit trägt der Arbeitgeber die Kosten für den Gehörschutz.

Zu viel Dämmung ist auch nicht gut. Wer Gespräche und Warnsignale nicht mehr hört, nimmt den Gehörschutz oft heraus. Der beste Gehörschutz ist der, den Sie die ganze Zeit tragen.

Häufige Fehler beim Gehörschutz

  • Stöpsel nur halb eingesetzt, sodass sie kaum dämmen
  • Gehörschutz nur zeitweise getragen, etwa nur bei den lautesten Arbeitsschritten. Schon wenige Minuten ohne Schutz in großem Lärm können einen großen Teil der Tagesdosis ausmachen.
  • alte, verhärtete Stöpsel oder Kapseln mit rissigen Polstern
  • Kapselgehörschutz über Mütze oder dicken Brillenbügeln

Einfache Regeln für jeden Tag

  • Abstand: Jeder Meter weg von Lautsprecher oder Maschine hilft.
  • Dauer: Je lauter, desto kürzer. Gönnen Sie Ihren Ohren Pausen in ruhiger Umgebung.
  • Lautstärke: Kopfhörer nicht voll aufdrehen. Die WHO empfiehlt, die Lautstärke bei höchstens etwa 60 Prozent zu halten.
  • Erholung: Nach einem lauten Abend braucht das Gehör Ruhe.
  • Kinder schützen: Kindergehörschutz bei Feuerwerk, Konzerten und Sportveranstaltungen

Hörgeräteträger und Lärm

Auch wer bereits Hörgeräte trägt, muss sein Restgehör vor Lärm schützen. Hörgeräte sind kein Gehörschutz, auch wenn sie laute Geräusche begrenzen. Für Arbeiten mit Lärm gibt es spezielle Lösungen, etwa Kapselgehörschutz, der über Hörgeräten getragen werden kann, oder Gehörschutz nach Maß. Fragen Sie Ihren Hörakustiker, was zu Ihren Geräten passt.

Wissen, wo Sie stehen

Wenn Sie viel Lärm ausgesetzt waren, ist ein Hörtest sinnvoll, auch ohne Beschwerden. Zur ersten Orientierung eignet sich der kostenlose Online-Hörtest. Er zeigt auch, ob sich im Bereich um 4.000 Hertz eine Senke abzeichnet.

Häufige Fragen

Ab wie viel Dezibel braucht man Gehörschutz?

Am Arbeitsplatz muss der Arbeitgeber ab einem Tageslärmpegel von 80 dB(A) Gehörschutz bereitstellen, ab 85 dB(A) muss er getragen werden. Auch in der Freizeit ist Gehörschutz bei vergleichbaren Pegeln sinnvoll.

Ist Lärmschwerhörigkeit heilbar?

Nein. Abgestorbene Sinneszellen wachsen nicht nach. Ein Hörverlust lässt sich aber mit Hörgeräten ausgleichen, und weitere Schäden lassen sich vermeiden.

Was ist der Vorteil von Gehörschutz nach Maß?

Er sitzt bequem über viele Stunden, ist lange haltbar und kann mit Filtern ausgestattet werden, die Sprache oder Musik möglichst natürlich lassen.

Wer zahlt Gehörschutz bei der Arbeit?

Wenn Gehörschutz nach der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung nötig ist, stellt ihn der Arbeitgeber zur Verfügung.

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Quellen

  1. Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung § 6: Auslösewerte: www.gesetze-im-internet.de
  2. Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung § 8: Gehörschutz: www.gesetze-im-internet.de
  3. Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge, Anhang: www.gesetze-im-internet.de
  4. gesund.bund.de: Lärmbelastung und Gesundheit: gesund.bund.de
  5. WHO: Deafness and hearing loss (Faktenblatt): www.who.int
  6. WHO: Safe listening, Fragen und Antworten: www.who.int

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.