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Hörgeräte

Hörgeräte und Musik: Besser klingen, besser schützen

Redaktion HörviaStand: Oktober 20266 Min. Lesezeit

Hörgeräte sind in erster Linie für Sprache gebaut. Musik stellt andere Anforderungen: größere Lautstärkeunterschiede, mehr Klangfarben, keine Pausen wie im Gespräch. Mit einem eigenen Musikprogramm und einer sorgfältigen Einstellung klingt Musik für viele Menschen deutlich natürlicher. Wer selbst musiziert, braucht zusätzlich einen guten Gehörschutz.

Warum Musik mit Hörgeräten oft enttäuscht

Viele Menschen mit Hörgeräten erleben Musik zunächst als flach, verzerrt oder blechern. Dafür gibt es technische Gründe:

  • Ausgelegt auf Sprache: Die Grundeinstellung ist so gewählt, dass Sprache möglichst gut verständlich wird. Musik braucht einen anderen Klang.
  • Störgeräuschunterdrückung: Sie hält gleichmäßige Klänge für Störgeräusche und dämpft sie. Bei einem Orchester oder einer Orgel ist das unerwünscht.
  • Rückkopplungsschutz: Er kann lang gehaltene hohe Töne fälschlich für Pfeifen halten und abschwächen.
  • Lautstärkeumfang: Live-Musik kann sehr laut sein. Wenn der Eingang des Hörgeräts übersteuert, verzerrt der Klang.
  • Kompression: Sie gleicht leise und laute Töne an. Für Sprache hilfreich, nimmt sie Musik aber Dynamik.

Was ein Musikprogramm ändert

Viele Hörgeräte haben ein eigenes Programm für Musik, das der Hörakustiker aktivieren und anpassen kann. Typischerweise werden darin Störgeräuschunterdrückung und Richtwirkung reduziert, die Kompression weicher eingestellt und der Klang ausgewogener. Manche Geräte verarbeiten auch lautere Eingangssignale, ohne zu verzerren. Fragen Sie gezielt danach, wenn Musik in Ihrem Leben eine große Rolle spielt.

So bereiten Sie die Einstellung vor

  • Bringen Sie Musik mit, die Sie gut kennen und oft hören.
  • Sagen Sie, ob Sie vor allem zuhören oder selbst spielen und singen.
  • Beschreiben Sie, wo Sie Musik hören: Konzertsaal, Kirche, Auto, Kopfhörer, Probenraum.
  • Notieren Sie nach dem Testen, was Ihnen gefehlt hat: Bässe, Brillanz, Räumlichkeit.

Musik streamen

Hörgeräte mit Bluetooth können Musik direkt vom Smartphone oder Tablet empfangen. Der Klang ist dabei nicht mit hochwertigen Kopfhörern vergleichbar, für Hörbücher, Podcasts und Radio aber oft sehr angenehm. Weil Raumgeräusche wegfallen, ist das Zuhören entspannter. Mehr dazu im Beitrag Hörgeräte mit Bluetooth.

Wenn Sie selbst Musik machen

Für Musikerinnen und Musiker mit Hörverlust ist die Einstellung besonders anspruchsvoll. Das eigene Instrument klingt anders als Musik aus Lautsprechern, und die Lautstärke direkt am Instrument ist oft hoch. Hilfreich sind:

  • ein eigenes Programm für das Spielen, getrennt vom Zuhören
  • eine offene Ankopplung, wenn der Hörverlust es zulässt, damit das Instrument natürlich klingt
  • bei Sängerinnen und Sängern eine sorgfältige Einstellung gegen den Verschlusseffekt, damit die eigene Stimme nicht dumpf klingt
  • Geduld bei der Feinanpassung. Mehrere Termine mit Instrument sind sinnvoll.

Lärmschutz für Ihr Restgehör

Hat das Gehör bereits nachgelassen, ist es umso wichtiger, das verbleibende Hörvermögen zu schützen. Laut Bundesgesundheitsportal liegen Konzerte bei etwa 90 bis 120 Dezibel. Schon ab etwa 80 bis 85 Dezibel steigt bei längerer Dauer das Risiko für Gehörschäden.

  • Hörgeräte sind kein Gehörschutz. Bei sehr lauter Musik reicht es nicht, sie leiser zu stellen.
  • Für Konzerte, Proben und Orchesterarbeit gibt es Gehörschutz nach Maß mit Filtern, die den Klang gleichmäßig dämpfen.
  • Halten Sie Abstand zu Lautsprechern und gönnen Sie Ihren Ohren Pausen.
Wer beruflich Musik macht, unterliegt dem Lärmarbeitsschutz. Ab einem Tageslärmpegel von 80 dB(A) muss der Arbeitgeber Gehörschutz zur Verfügung stellen, ab 85 dB(A) muss er getragen werden.

Mehr über Lautstärken im Alltag lesen Sie im Beitrag Wie laut ist zu laut?.

Konzert, Kirche, Chor: praktische Tipps

  • Wählen Sie im Konzertsaal einen Platz mit freier Sicht auf die Bühne und etwas Abstand zu den Lautsprechern.
  • Schalten Sie vor Beginn auf das Musikprogramm um, nicht erst mitten im Stück.
  • Fragen Sie in Kirchen und Theatern nach einer Induktionsschleife. Mit Telefonspule hören Sie das Mikrofonsignal direkt im Hörgerät.
  • Im Chor hilft es, wenn Sie neben einer sicheren Stimme Ihrer Stimmlage stehen.
  • Nehmen Sie sich nach lauten Veranstaltungen Ruhephasen für die Ohren.

Wenn Sie nach einem Konzert ein Pfeifen im Ohr oder ein dumpfes Gefühl bemerken, war es zu laut. Klingt das nicht innerhalb eines Tages ab, lassen Sie es ärztlich prüfen.

Musik als Training für das Gehör

Musik hören kann ein gutes Hörtraining sein. Versuchen Sie, einzelne Instrumente herauszuhören, oder hören Sie Lieder, deren Text Sie mitlesen. So üben Sie, Klänge zu unterscheiden. Viele Menschen erleben, dass Musik mit der Zeit wieder vertrauter klingt, wenn sich das Gehirn an die Hörgeräte gewöhnt hat.

Wenn Musik auf einmal falsch klingt

Manche Menschen mit Innenohrschwerhörigkeit hören Töne verstimmt oder auf beiden Ohren unterschiedlich hoch. Das kann für Musikliebhaber und Musiker sehr belastend sein. Sprechen Sie solche Wahrnehmungen in der HNO-Praxis an. Sie gehören zur Abklärung dazu und beeinflussen, wie Hörgeräte eingestellt werden.

Realistische Erwartungen

Ein Hörgerät kann geschädigte Sinneszellen nicht ersetzen. Bestimmte Klangfeinheiten bleiben bei stärkerem Hörverlust auch mit bester Technik schwierig. Trotzdem gewinnen viele Menschen mit einer guten Einstellung ein Stück Musikgenuss zurück. Wie sich Musik mit Hörverlust anhören kann, erleben Sie im Hörverlust-Simulator. Wenn Sie Ihre Wünsche rund um Musik besprechen möchten, nutzen Sie das kostenlose Online-Erstgespräch.

Häufige Fragen

Warum klingt Musik mit Hörgeräten schlecht?

Hörgeräte sind auf Sprache optimiert. Funktionen wie Störgeräuschunterdrückung und Kompression können Musik flach oder verzerrt klingen lassen. Ein eigenes Musikprogramm hilft oft.

Gibt es Hörgeräte speziell für Musiker?

Viele Hörgeräte bieten Musikprogramme und können lautere Eingangssignale verarbeiten. Entscheidend ist eine sorgfältige Einstellung mit dem eigenen Instrument.

Schützt ein Hörgerät vor lauter Musik?

Nein. Hörgeräte sind kein Gehörschutz. Bei lauter Musik brauchen Sie einen geeigneten Gehörschutz.

Kann ich mit Hörgeräten Musik streamen?

Ja, Hörgeräte mit Bluetooth können Musik direkt vom Smartphone empfangen. Für Hörbücher und Radio ist das besonders angenehm.

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Quellen

  1. gesund.bund.de: Lärmbelastung und Gesundheit: gesund.bund.de
  2. Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung § 6: Auslösewerte: www.gesetze-im-internet.de
  3. WHO: Safe listening, Fragen und Antworten: www.who.int

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.