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Hörschutz & Vorsorge

Wie laut ist zu laut? Dezibel im Alltag

Redaktion HörviaStand: Oktober 20266 Min. Lesezeit

Ab etwa 80 bis 85 Dezibel steigt bei längerer Dauer das Risiko für Gehörschäden. Ein normales Gespräch liegt bei rund 60 Dezibel, ein Konzert dagegen bei 90 bis 120. Entscheidend ist nicht nur die Lautstärke, sondern auch, wie lange Sie ihr ausgesetzt sind.

Was Dezibel bedeuten

Die Lautstärke von Schall wird in Dezibel (dB) gemessen. Die Skala ist logarithmisch. Das heißt: Jede Erhöhung um 10 dB empfinden wir ungefähr als Verdopplung der Lautstärke. Die Schallenergie verdoppelt sich aber schon alle 3 dB. Ein Geräusch mit 90 dB ist für das Ohr also viel belastender als eines mit 80 dB, nicht nur ein bisschen.

Oft liest man dB(A). Das A steht für eine Bewertung, die berücksichtigt, dass unser Ohr tiefe und sehr hohe Töne weniger empfindlich wahrnimmt als mittlere.

Dezibel-Tabelle mit Alltagsbeispielen

Die folgenden Werte sind Richtwerte. Die tatsächliche Lautstärke hängt stark von Abstand, Gerät und Umgebung ab.

etwaBeispielEinordnung
0 dBHörschwellegerade hörbar
20 dBTicken einer Uhr, leises Blätterrauschensehr leise
30 dBFlüsternsehr leise
40 bis 50 dBruhige Wohnung, leiser Kühlschrankleise
60 dBnormales Gesprächmäßig laut
70 dBStaubsauger, lautes Gesprächlaut
80 dBstarker Straßenverkehr, laute Küchengerätesehr laut, ab hier bei Dauerbelastung Vorsicht
90 dBlaute Werkstatt, Lkw aus der NäheGehörschutz sinnvoll
100 dBDiskothek, Motorsäge, Presslufthammerschon nach kurzer Zeit riskant
110 bis 120 dBRockkonzert direkt vor der Bühne, Sirene aus der Nähesehr kurze Zeit schädlich
über 130 dBBöller oder Schuss dicht am OhrKnalltrauma möglich

Lautstärke mal Zeit

Für das Gehör zählt die Dosis. Die WHO empfiehlt für Erwachsene als Orientierung höchstens 80 dB über 40 Stunden pro Woche, für Kinder 75 dB. Steigt die Lautstärke um 3 dB, halbiert sich die vertretbare Zeit. Bei 90 dB sind es danach nur noch etwa 4 Stunden pro Woche, bei 100 dB weniger als eine halbe Stunde.

LautstärkeOrientierung für die Wochendosis
80 dBetwa 40 Stunden
83 dBetwa 20 Stunden
86 dBetwa 10 Stunden
89 dBetwa 5 Stunden
92 dBetwa 2,5 Stunden
95 dBetwa 1,25 Stunden
100 dBweniger als 30 Minuten

Am Arbeitsplatz gelten feste Regeln. Nach der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung muss der Arbeitgeber ab einem Tageslärmpegel von 80 dB(A) Gehörschutz bereitstellen, ab 85 dB(A) muss er getragen werden.

Kopfhörer: die unterschätzte Lärmquelle

Über Kopfhörer kann Musik leicht 100 dB und mehr erreichen, ohne dass es unangenehm wirkt. In lauter Umgebung, etwa in Bus und Bahn, drehen viele Menschen unbewusst lauter. Die WHO rät:

  • die Lautstärke auf höchstens etwa 60 Prozent des Maximums stellen
  • Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung nutzen, damit Sie den Umgebungslärm nicht übertönen müssen
  • die Hörzeit begrenzen und Pausen machen
  • Pegelanzeigen im Smartphone nutzen: Viele Telefone zeigen die Kopfhörerlautstärke an
Eine einfache Faustregel: Wenn Sie sich mit einer Person in einem Meter Abstand nur noch schreiend verständigen können, ist es laut genug für Gehörschutz.

Leise Geräusche können auch belasten

Nicht nur laute Geräusche wirken auf den Körper. Das Bundesumweltministerium weist darauf hin, dass schon geringere Pegel Konzentration und Schlaf stören können, etwa nächtlicher Verkehrslärm. Solche Belastungen schädigen das Gehör nicht direkt, können aber Stress auslösen. Für das Gehör selbst sind vor allem hohe Pegel über längere Zeit und sehr laute Einzelereignisse riskant.

Typische Situationen im Alltag

  • Heimwerken: Bohrmaschine, Flex und Kreissäge sind laut genug für Gehörschutz, auch für kurze Arbeiten.
  • Garten: Laubbläser, Motorsense und Häcksler gehören zu den lautesten Geräten im Haushalt.
  • Fitnessstudio und Kurse: Musik ist dort oft sehr laut. Wählen Sie einen Platz weiter weg von den Boxen.
  • Kinderspielzeug: Manche Spielzeuge sind dicht am Ohr erstaunlich laut. Kinder halten sie gern direkt ans Ohr.
  • Silvester: Böller in der Nähe des Ohrs sind eine häufige Ursache für Knalltraumata.

Lautstärke selbst messen

Schallpegel-Apps fürs Smartphone geben eine grobe Orientierung. Sie sind nicht so genau wie geeichte Messgeräte, zeigen aber, ob ein Ort eher 70 oder eher 100 dB laut ist. Manche Smartwatches warnen automatisch bei hoher Umgebungslautstärke.

Ruhe als Ausgleich

Das Gehör erholt sich in ruhiger Umgebung. Nach einem lauten Tag, einer Feier oder einem Konzert tut eine Phase ohne Musik und Lärm gut. Auch im Alltag lohnt es sich, bewusst leise Phasen einzuplanen: ein Spaziergang in der Natur, Arbeiten ohne Hintergrundradio, Autofahren ohne laute Musik.

Wenn es schon passiert ist

Nach einem lauten Abend sind ein dumpfes Gefühl oder ein leises Pfeifen häufig. Gönnen Sie Ihren Ohren dann Ruhe. Verschwinden die Beschwerden nicht innerhalb eines Tages, gehen Sie zur HNO-Praxis. Mehr zu Schutz und Gehörschutz lesen Sie im Beitrag Lärmschwerhörigkeit vermeiden. Wer häufig Lärm ausgesetzt war, kann mit dem kostenlosen Online-Hörtest einen ersten Eindruck vom eigenen Gehör gewinnen. Bei bleibendem Ohrgeräusch hilft der Beitrag Tinnitus: Ursachen weiter.

Häufige Fragen

Ab wie viel Dezibel wird es gefährlich?

Bei längerer Dauer steigt das Risiko ab etwa 80 bis 85 Dezibel. Sehr laute Impulse über 130 Dezibel können das Gehör schon auf einen Schlag schädigen.

Wie laut ist ein normales Gespräch?

Rund 60 Dezibel.

Wie lange darf ich Musik über Kopfhörer hören?

Die WHO nennt als Orientierung für Erwachsene 80 dB über 40 Stunden pro Woche. Mit jeder Erhöhung um 3 dB halbiert sich die Zeit. Halten Sie die Lautstärke bei höchstens etwa 60 Prozent.

Wie laut ist ein Konzert?

Nach Angaben des Bundesgesundheitsportals etwa 90 bis 120 Dezibel. Gehörschutz ist dort sinnvoll.

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Quellen

  1. gesund.bund.de: Lärmbelastung und Gesundheit: gesund.bund.de
  2. WHO: Safe listening, Fragen und Antworten: www.who.int
  3. Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung § 6: Auslösewerte: www.gesetze-im-internet.de
  4. Bundesumweltministerium: Lärmwirkung: www.bundesumweltministerium.de

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.