Zum Inhalt springen
Alltag & Familie

Hörgeräte für Pflegebedürftige: Hausbesuch und Alltag

Redaktion HörviaStand: Oktober 20266 Min. Lesezeit

Auch Menschen, die das Haus kaum noch verlassen können, haben Anspruch auf eine Hörgeräteversorgung über die Krankenkasse. Viele Hörakustik-Meisterbetriebe kommen dafür nach Hause oder ins Pflegeheim. Für den Erfolg ist entscheidend, dass Angehörige oder Pflegekräfte beim Einsetzen, Laden und Reinigen unterstützen.

Warum gutes Hören in der Pflege so wichtig ist

Wer schlecht hört, bekommt Gespräche, Fragen der Pflegekräfte und Besuche nur teilweise mit. Das kann zu Missverständnissen und Rückzug führen. Gutes Hören erleichtert die Verständigung im Alltag, bei der Pflege und mit der Familie.

Auch die Forschung beschäftigt sich mit dem Thema. Die Lancet-Kommission zur Demenz nennt unbehandelten Hörverlust als einen von mehreren beeinflussbaren Risikofaktoren. Was das bedeutet und was nicht, lesen Sie im Beitrag Hörverlust und Demenz.

So läuft eine Versorgung zu Hause ab

  1. Verordnung: Wenn ein Besuch in der HNO-Praxis schwierig ist, fragen Sie nach einem Hausbesuch oder bei der Hausärztin nach dem weiteren Vorgehen.
  2. Hausbesuch des Hörakustikers: Viele Meisterbetriebe bringen mobile Messtechnik mit und messen in der Wohnung oder im Zimmer.
  3. Auswahl: Bei eingeschränkter Fingerfertigkeit sind einfache Bedienung und Akku oft wichtiger als Funktionen.
  4. Probetragen: Auch zu Hause und im Heim werden Geräte zur Probe getragen.
  5. Nachsorge: Kontrolltermine finden ebenfalls vor Ort statt.
Wie gut hören Sie gerade? Der kostenlose Online-Hörtest dauert etwa sechs Minuten. Ihr Ergebnis besprechen Sie auf Wunsch im kostenlosen Erstgespräch per Video, unverbindlich und ohne Verkauf.
Kostenloses Erstgespräch anfragen → Hörtest machen

Welche Geräte sich bewährt haben

  • Akku statt Batterie: kein Wechsel kleiner Knopfzellen, einfach abends in die Ladeschale.
  • Gut greifbare Bauform: Hinter-dem-Ohr- oder Hörer-im-Ohr-Geräte lassen sich oft leichter handhaben als sehr kleine Im-Ohr-Geräte.
  • Automatik: Geräte, die sich selbst auf Situationen einstellen, brauchen weniger Bedienung.
  • Farbe: Eine auffällige Farbe oder Markierung für rechts und links hilft Pflegekräften.
  • Sicherung: Ein Clip an der Kleidung verhindert Verlust.

Tipps für Angehörige und Pflegekräfte

  • Feste Routine: morgens einsetzen, abends herausnehmen und laden.
  • Geräte nie in Taschentücher wickeln, sie landen sonst im Müll.
  • Bei Bettwäsche und Kleidung auf Hörgeräte achten.
  • Den Gehörgang regelmäßig ärztlich kontrollieren lassen, Ohrenschmalz stört die Funktion.
  • Von vorn ansprechen, Blickkontakt herstellen, langsam und deutlich sprechen.
  • Einen kleinen Zettel mit Anleitung neben die Ladeschale legen.

Wie die tägliche Reinigung geht, zeigt der Beitrag Hörgeräte pflegen.

Wer bezahlt?

Für gesetzlich Versicherte gelten dieselben Regeln wie für alle: Mit Verordnung übernimmt die Kasse den Festbetrag, Sie zahlen die gesetzliche Zuzahlung, und eine Versorgung ohne Aufzahlung muss angeboten werden. Wer die Belastungsgrenze erreicht, kann sich von Zuzahlungen befreien lassen. Mehr dazu im Beitrag Festbetrag und Zuzahlung.

Wenn die betroffene Person zögert

Manche ältere Menschen lehnen Hörgeräte ab, weil sie schlechte Erfahrungen gemacht haben oder sich nicht noch ein Gerät zumuten wollen. Druck hilft selten. Hilfreicher ist, konkrete Momente anzusprechen, die beiden wichtig sind, etwa Telefonate mit den Enkeln. Hinweise für dieses Gespräch gibt der Beitrag Mit Eltern über Hörverlust sprechen.

Unterstützung durch Hörvia

Im kostenlosen Online-Erstgespräch können Angehörige von einem anderen Ort aus dazukommen. Wir besprechen die Situation und nennen Meisterbetriebe in der Nähe, auf Wunsch gezielt solche mit Hausbesuch. Bitte fragen Sie nur mit dem Einverständnis der betroffenen Person an.

Zusammenarbeit im Pflegeheim

Im Heim betreuen viele Menschen im Wechsel dieselbe Person. Damit das Hörgerät nicht in der Schublade landet, hilft eine klare Absprache. Eine kurze Notiz in der Pflegedokumentation, wer morgens einsetzt und abends lädt, macht den Unterschied. Bitten Sie den Hörakustiker, das Pflegeteam einmal einzuweisen. Viele Betriebe bieten das bei Hausbesuchen an.

Wenn eine Demenz vorliegt

Menschen mit Demenz nehmen Hörgeräte manchmal heraus, weil sie das Gefühl im Ohr nicht einordnen können. Geduld und Routine helfen. Ein robuster Akku, ein Sicherungsclip und eine einfache Bedienung ohne Tasten erleichtern den Alltag. Sprechen Sie mit dem Hörakustiker offen über die Situation, damit er die Versorgung danach ausrichtet.

Kommunikation ohne Technik

Auch mit Hörgeräten bleibt gutes Sprechen wichtig. Sprechen Sie von vorn, mit Licht im Gesicht, ohne Hintergrundgeräusche, in kurzen Sätzen. Formulieren Sie einen Satz neu, statt ihn lauter zu wiederholen. Diese einfachen Regeln helfen allen Beteiligten, auch Pflegekräften im hektischen Alltag.

Häufige Fragen

Kommt ein Hörakustiker ins Pflegeheim?

Viele Meisterbetriebe bieten Hausbesuche an, auch in Pflegeheimen. Fragen Sie gezielt danach.

Zahlt die Kasse Hörgeräte für Pflegebedürftige?

Ja, mit ärztlicher Verordnung gelten dieselben Regeln wie für alle gesetzlich Versicherten.

Welches Hörgerät ist für Senioren mit wenig Fingerfertigkeit geeignet?

Häufig Geräte mit Akku und Ladeschale und einer gut greifbaren Bauform. Das Probetragen zeigt, was im Alltag klappt.

Darf ich für meine Mutter anfragen?

Ja, mit ihrem Einverständnis. Sie können am Erstgespräch gemeinsam teilnehmen, auch von unterschiedlichen Orten aus.

Kostenloses Erstgespräch anfragen →

Quellen

  1. Livingston et al.: Dementia prevention, intervention, and care. 2024 report of the Lancet standing Commission: doi.org
  2. GKV-Spitzenverband: Festbeträge für Hörhilfen (gültig seit 1. April 2022): www.gkv-spitzenverband.de
  3. SGB V § 61: Zuzahlungen: www.gesetze-im-internet.de
  4. G-BA: Hilfsmittel-Richtlinie, Abschnitt C Hörhilfen (Stand 2025): www.g-ba.de

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

HörtestKostenloses Erstgespräch