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Alltag & Familie

Hörverlust bei Kindern: Anzeichen und Hilfe

Redaktion HörviaStand: Oktober 20267 Min. Lesezeit

Gutes Hören ist die Grundlage für die Sprachentwicklung. Deshalb wird in Deutschland das Gehör jedes Neugeborenen untersucht. Trotzdem kann ein Hörverlust auch später entstehen, etwa durch häufige Mittelohrentzündungen. Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind schlecht hört, sprechen Sie mit Ihrer Kinderarztpraxis.

Das Neugeborenen-Hörscreening

Seit 2009 haben alle Neugeborenen in Deutschland Anspruch auf ein Hörscreening. So regelt es die Kinder-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses. Die Untersuchung findet in den ersten Lebenstagen statt, meist noch in der Geburtsklinik. Sie ist schmerzlos und dauert nur wenige Minuten. Gemessen wird entweder die Reaktion des Innenohrs mit einer kleinen Sonde oder die Antwort des Hörnervs über Elektroden.

Ein auffälliges Ergebnis bedeutet nicht automatisch, dass Ihr Kind schlecht hört. Häufig liegt es an Fruchtwasser im Gehörgang oder an Unruhe während der Messung. Dann wird die Messung wiederholt. Wichtig ist, dass Sie Kontrolltermine wahrnehmen. Ziel ist, eine Hörstörung bis zum Ende des dritten Lebensmonats festzustellen und bis zum Ende des sechsten Lebensmonats mit der Behandlung zu beginnen.

Wenn Ihr Kind kein Hörscreening hatte oder Sie das Ergebnis nicht kennen, fragen Sie in der Kinderarztpraxis nach. Das Ergebnis wird im gelben Kinderuntersuchungsheft eingetragen.

Anzeichen bei Babys und Kleinkindern

  • Das Baby erschrickt nicht bei lauten Geräuschen.
  • Es wendet sich mit einigen Monaten nicht zu Stimmen oder Geräuschen hin.
  • Es brabbelt wenig oder hört damit wieder auf.
  • Es reagiert nicht auf seinen Namen.
  • Die ersten Wörter kommen deutlich später als bei Gleichaltrigen.

Anzeichen bei älteren Kindern

  • Das Kind fragt oft nach oder sagt häufig „Hä?“
  • Es stellt Fernseher oder Tablet sehr laut.
  • Es spricht undeutlich oder lässt Laute aus.
  • Es reagiert nicht, wenn man es aus einem anderen Raum ruft.
  • Es wirkt unaufmerksam, verträumt oder zieht sich zurück.
  • In der Schule fällt es durch Konzentrationsprobleme auf.
  • Es schaut anderen beim Sprechen sehr genau auf den Mund.

Manche dieser Anzeichen werden leicht als Verhaltensproblem missverstanden. Ein Hörtest schafft Klarheit.

Häufige Ursachen

Paukenerguss

Bei Kindern ist die häufigste Ursache für vorübergehend schlechtes Hören Flüssigkeit hinter dem Trommelfell, oft nach Erkältungen oder Mittelohrentzündungen. Alles klingt dann gedämpft, wie durch Watte. Oft bildet sich der Erguss von selbst zurück. Hält er länger an und beeinträchtigt das Hören, kann die HNO-Ärztin oder der HNO-Arzt eine Behandlung empfehlen, etwa kleine Paukenröhrchen.

Angeborene Hörstörungen

Einige Kinder kommen mit einer Hörstörung zur Welt, etwa genetisch bedingt oder durch Infektionen in der Schwangerschaft. Sie werden idealerweise beim Neugeborenen-Hörscreening entdeckt.

Erworbene Hörstörungen

Auch später können Infektionen wie eine Hirnhautentzündung, Verletzungen oder Lärm das Gehör schädigen. Laute Spielzeuge dicht am Ohr und zu laute Kopfhörer sind vermeidbare Risiken. Die WHO empfiehlt für Kinder beim Musikhören über Kopfhörer niedrigere Grenzwerte als für Erwachsene.

Wer hilft weiter

  1. Kinderarztpraxis: erste Ansprechpartnerin, auch bei den U-Untersuchungen
  2. HNO-Praxis oder Pädaudiologie: Fachärztinnen und Fachärzte für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen sind auf Hörprobleme bei Kindern spezialisiert. Für Kinder und Jugendliche dürfen nur diese Fachärzte oder HNO-Ärzte Hörgeräte verordnen.
  3. Pädakustiker: Hörakustikerinnen und Hörakustiker mit Zusatzqualifikation für Kinder. Säuglinge und Kleinkinder sollen laut Hilfsmittel-Richtlinie in einer pädaudiologischen Einrichtung versorgt werden.
  4. Frühförderung und Logopädie: unterstützen die Sprachentwicklung

Hörgeräte für Kinder: Was die Kasse zahlt

  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zahlen keine gesetzliche Zuzahlung.
  • Die Krankenkasse übernimmt bei ihnen auch die Batterien.
  • Neue Hörgeräte gibt es in der Regel nach fünf statt sechs Jahren, früher mit Begründung, etwa weil das Kind gewachsen ist oder sich das Gehör verändert hat.
  • Im begründeten Einzelfall ist eine Versorgung schon bei geringgradiger Schwerhörigkeit möglich.
  • Für Kindergarten und Schule können zusätzlich Übertragungsanlagen verordnet werden. Dabei trägt die Erzieherin oder Lehrkraft ein Mikrofon, und die Stimme kommt direkt im Hörgerät an.

Im Alltag unterstützen

Kinder mit Hörgeräten brauchen etwas Begleitung, damit die Geräte im Alltag gut funktionieren. Prüfen Sie morgens kurz, ob die Geräte laufen, und halten Sie Ersatzbatterien bereit.

  • Sprechen Sie viel mit Ihrem Kind, deutlich und mit Blickkontakt.
  • Reduzieren Sie Hintergrundgeräusche beim Spielen und Vorlesen.
  • Informieren Sie Kita und Schule, damit Ihr Kind vorn und mit Blick zur Lehrkraft sitzt.
  • Achten Sie bei Kopfhörern auf eine Lautstärkebegrenzung.

Hörgeräte im Kinderalltag

Kinder gewöhnen sich meist schneller an Hörgeräte als Erwachsene, brauchen aber Begleitung. Bunte Gehäuse und Ohrpassstücke machen das Tragen für viele Kinder attraktiver. Sicherungsclips verhindern Verlust beim Toben. Und weil die Ohren wachsen, müssen Ohrpassstücke bei kleinen Kindern häufiger erneuert werden. Planen Sie regelmäßige Kontrollen beim Pädakustiker ein.

Unsere Tools sind für Erwachsene gemacht

Online-Hörtests sind für Kinder nicht geeignet. Der Weg führt bei Kindern immer über die Kinderarztpraxis und die Fachärzte. Wenn Sie als Eltern allgemeine Fragen zur Versorgung haben, sprechen wir gern mit Ihnen im kostenlosen Online-Erstgespräch. Weitere Informationen finden Sie im Beitrag Hörgeräteverordnung beim HNO und, wenn ein Ohr betroffen ist, unter Einseitige Schwerhörigkeit.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, dass mein Kind schlecht hört?

Zum Beispiel daran, dass es nicht auf seinen Namen reagiert, spät oder undeutlich spricht, oft nachfragt oder Geräte sehr laut stellt. Sprechen Sie bei Verdacht mit der Kinderarztpraxis.

Was ist das Neugeborenen-Hörscreening?

Ein schmerzloser Hörtest in den ersten Lebenstagen, auf den seit 2009 alle Neugeborenen in Deutschland Anspruch haben.

Zahlen Eltern für Hörgeräte ihrer Kinder dazu?

Unter 18 Jahren fällt keine gesetzliche Zuzahlung an, und die Kasse übernimmt auch die Batterien. Eine freiwillige Aufzahlung für Zusatzfunktionen ist möglich.

Was ist ein Pädakustiker?

Eine Hörakustikerin oder ein Hörakustiker mit Zusatzqualifikation für die Versorgung von Kindern.

Kostenloses Erstgespräch anfragen →

Quellen

  1. G-BA: Neugeborenen-Hörscreening, Information für Eltern: www.g-ba.de
  2. G-BA: Hilfsmittel-Richtlinie, Abschnitt C Hörhilfen (Stand 2025): www.g-ba.de
  3. gesundheitsinformation.de (IQWiG): Was hilft schwerhörigen oder gehörlosen Kindern?: www.gesundheitsinformation.de
  4. SGB V § 33: Hilfsmittel: www.gesetze-im-internet.de
  5. WHO: Safe listening, Fragen und Antworten: www.who.int

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.