Ein Hörgerät oder zwei? Was für beide Ohren spricht

Hören beide Ohren schlechter, sind zwei Hörgeräte in aller Regel die bessere Wahl. Das Gehirn braucht die Signale beider Ohren, um Richtungen zu erkennen und Sprache aus Lärm herauszufiltern. Die gesetzliche Krankenkasse sieht deshalb bei beidseitigem Hörverlust die beidohrige Versorgung vor und hat dafür eigene Festbeträge festgelegt.
Warum wir mit zwei Ohren hören
Ein Geräusch kommt an beiden Ohren minimal zeitversetzt und unterschiedlich laut an. Aus diesen winzigen Unterschieden berechnet das Gehirn, woher ein Geräusch kommt. Gleichzeitig kann es sich auf eine Stimme konzentrieren und Störlärm aus anderen Richtungen ausblenden. Fachleute nennen das räumliches oder binaurales Hören.
Fehlt die Information eines Ohres, wird beides schwerer. Viele Menschen mit nur einem Hörgerät berichten, dass sie in Gesellschaft schneller ermüden oder nicht wissen, wer am Tisch gerade spricht.
Die Vorteile von zwei Hörgeräten
- Richtungshören: Sie erkennen, woher ein Auto oder eine Stimme kommt.
- Verstehen im Lärm: Das Gehirn kann Störgeräusche besser trennen.
- Ausgeglichener Klang: Geräusche wirken räumlich und natürlich.
- Weniger Verstärkung nötig: Zwei Ohren addieren die Lautheit. Jedes Gerät kann deshalb etwas leiser eingestellt werden.
- Abgestimmte Technik: Viele moderne Geräte tauschen sich untereinander aus und passen Programme gemeinsam an.
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Wann ein Hörgerät reicht
Ist nur ein Ohr betroffen und das andere hört normal, reicht oft ein Gerät. Auch wenn ein Ohr gar nicht mehr versorgt werden kann, kommt eine andere Lösung in Frage, etwa ein System, das Schall vom tauben zum gesunden Ohr überträgt. Mehr dazu im Beitrag Einseitige Schwerhörigkeit.
Ob einohrig oder beidohrig sinnvoll ist, entscheiden Arzt und Hörakustiker anhand Ihrer Messwerte. Die Hilfsmittel-Richtlinie enthält dafür eigene Kriterien.
Was die Krankenkasse zahlt
Für gesetzlich Versicherte gibt es getrennte Festbeträge für die Versorgung eines Ohres und beider Ohren. Seit dem 1. April 2022 liegen sie bei Schwerhörigkeit bei 964,50 € für ein Ohr und 1.603,81 € für beide Ohren, jeweils inklusive Mehrwertsteuer, Ohrpassstück und Leistungen des Hörakustikers. Die gesetzliche Zuzahlung fällt je Gerät an. Mehr dazu im Beitrag Festbetrag und Zuzahlung.
Häufige Bedenken
„Zwei Geräte sind doppelt so auffällig.“
Moderne Geräte sind klein und oft kaum zu sehen. Wer im Gespräch dauernd nachfragt, fällt meist mehr auf als jemand mit zwei kleinen Hörgeräten.
„Mein gutes Ohr reicht doch.“
Solange beide Ohren schlechter hören, fehlt dem Gehirn trotzdem die Information der zweiten Seite. Testen Sie im Probetragen bewusst beide Varianten, etwa im Restaurant.
„Zwei Geräte kosten mehr.“
Ohne Aufzahlung bleibt es bei der gesetzlichen Zuzahlung je Gerät. Mit Aufzahlung entsteht der Mehrbetrag je Seite. Lassen Sie sich beide Varianten im Kostenvoranschlag aufschlüsseln.
So testen Sie es selbst
Bitten Sie beim Probetragen darum, in einer typischen Alltagssituation einmal mit einem und einmal mit zwei Geräten zu hören. Notieren Sie, wie gut Sie verstehen und wie müde Sie danach sind. Unser Klangtagebuch hilft dabei. Mit diesen Notizen fällt die Entscheidung im Gespräch mit dem Meisterbetrieb leichter.
Was Studien und Fachgesellschaften sagen
Dass zwei Ohren beim Verstehen im Lärm und beim Richtungshören Vorteile bringen, ist in der Hörforschung gut belegt. Deshalb sieht auch die Hilfsmittel-Richtlinie bei beidseitigem Hörverlust in der Regel die Versorgung beider Ohren vor. Im Einzelfall kann es Gründe für eine einseitige Versorgung geben, etwa wenn ein Ohr medizinisch nicht versorgt werden kann oder ein Gerät auf einer Seite dauerhaft nicht vertragen wird.
Die Gewöhnung an zwei Geräte
Wer jahrelang nur mit einem Ohr gut gehört hat, empfindet zwei Geräte anfangs oft als ungewohnt laut oder unausgeglichen. Das Gehirn muss lernen, die Signale beider Seiten wieder zusammenzuführen. Das braucht einige Wochen. Tragen Sie beide Geräte möglichst den ganzen Tag, statt zwischen einem und zwei zu wechseln. Kleine Anpassungen der Lautstärke je Seite übernimmt der Hörakustiker in der Feinanpassung. Mehr im Beitrag Hörgerät gewöhnen.
Technik, die beide Seiten verbindet
Viele moderne Hörgeräte stimmen sich per Funk untereinander ab. Drücken Sie auf einer Seite eine Taste, ändert sich das Programm auf beiden. Manche Geräte nutzen die Mikrofone beider Seiten gemeinsam, um eine Stimme von vorn hervorzuheben. Ob solche Funktionen für Ihren Alltag einen spürbaren Unterschied machen, zeigt der Vergleich im Probetragen.
Häufige Fragen
Zahlt die Kasse zwei Hörgeräte?
Ja, wenn beide Ohren die Kriterien der Hilfsmittel-Richtlinie erfüllen. Für die beidohrige Versorgung gibt es einen eigenen Festbetrag.
Kann ich erst ein Gerät nehmen und später das zweite?
Das ist möglich, aber meist nicht sinnvoll. Besprechen Sie mit Arzt und Hörakustiker, welche Versorgung Ihre Messwerte nahelegen.
Ist ein Hörgerät besser als keins?
Bei beidseitigem Hörverlust hilft auch ein Gerät, zwei Geräte bieten aber meist besseres Richtungshören und Verstehen im Lärm.
Fällt die Zuzahlung zweimal an?
Ja, die gesetzliche Zuzahlung gilt je Hörgerät.
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Quellen
- G-BA: Hilfsmittel-Richtlinie, Abschnitt C Hörhilfen (Stand 2025): www.g-ba.de
- GKV-Spitzenverband: Festbeträge für Hörhilfen (gültig seit 1. April 2022): www.gkv-spitzenverband.de
- SGB V § 61: Zuzahlungen: www.gesetze-im-internet.de
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit bei Erwachsenen: www.gesundheitsinformation.de
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
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