Tinnitus und Hörgeräte: Wann sie helfen können

Wenn ein Tinnitus zusammen mit einem Hörverlust auftritt, kann ein Hörgerät helfen, dass das Ohrgeräusch weniger in den Vordergrund tritt. Die S3-Leitlinie Chronischer Tinnitus nennt den Ausgleich eines Hörverlusts als wichtigen Baustein. Für Menschen ohne behandlungsbedürftigen Hörverlust gibt es Tinnitusgeräte, die ein leises Rauschen erzeugen.
Warum Hörgeräte bei Tinnitus helfen können
Viele Menschen mit Tinnitus hören in bestimmten Tonhöhen schlechter. Umgebungsgeräusche wie das Rascheln von Blättern, leise Musik oder das Summen eines Kühlschranks werden dann kaum noch wahrgenommen. In dieser Stille tritt das Ohrgeräusch umso deutlicher hervor.
Ein Hörgerät bringt diese Geräusche zurück. Das Gehirn hat wieder mehr Klang, auf den es sich richten kann. Der Tinnitus ist dann oft weniger auffällig, auch wenn er nicht verschwindet. Zusätzlich entlastet ein Hörgerät, weil Gespräche weniger anstrengend werden. Viele Betroffene berichten, dass gerade die Anstrengung des Zuhörens ihren Tinnitus verstärkt.
Die S3-Leitlinie formuliert es so: Der Ausgleich eines bestehenden Hörverlusts sollte eine wesentliche Voraussetzung für die Gewöhnung an den Tinnitus sein und kann die Tinnitusbelastung oft positiv beeinflussen.
Drei Gerätearten
| Gerät | Was es tut | Für wen |
|---|---|---|
| Hörgerät | verstärkt Sprache und Umgebungsgeräusche nach Ihrer Hörkurve | Tinnitus mit behandlungsbedürftigem Hörverlust |
| Tinnitusgerät (Noiser) | erzeugt ein leises, gleichmäßiges Rauschen | chronischer, belastender Tinnitus ohne versorgungspflichtigen Hörverlust |
| Tinnitus-Instrument | Hörgerät und Rauschgenerator in einem | Hörverlust, bei dem das Hörgerät allein nicht genug hilft |
Was die Krankenkasse übernimmt
Die Hilfsmittel-Richtlinie regelt in § 24 die Versorgung mit Tinnitusgeräten:
- Bei chronischem, behandlungsbedürftigem Tinnitus ohne versorgungspflichtige Hörstörung kann ein Tinnitusgerät verordnet werden. Vorher werden Tonhöhe des Tinnitus und seine Verdeckbarkeit gemessen.
- Liegt gleichzeitig eine Hörstörung vor, ist ein kombiniertes Gerät nur dann verordnungsfähig, wenn die Hörgeräteversorgung allein zur Minderung der Tinnituswahrnehmung nicht ausreicht.
- Nach einer Erprobungsphase von mindestens vier Wochen soll die Fachärztin oder der Facharzt prüfen, ob Sie das Gerät tragen und eine Linderung erleben.
Für Hörgeräte gelten die üblichen Voraussetzungen und der Festbetrag. Wichtig: Wer schon Hörgeräte hat und einen neuen Tinnitus bekommt, braucht für die Folgeversorgung eine ärztliche Verordnung. Das legt die Richtlinie ausdrücklich fest. Mehr dazu im Beitrag Hörgeräteverordnung beim HNO.
Worauf es bei der Anpassung ankommt
- Sanfter Einstieg: Zu viel Verstärkung am Anfang kann als unangenehm laut empfunden werden. Viele Menschen mit Tinnitus sind zudem geräuschempfindlich.
- Umgebungsklang zulassen: Funktionen, die leise Geräusche stark unterdrücken, sind bei Tinnitus nicht immer erwünscht.
- Ganztägig tragen: Die Wirkung entfaltet sich vor allem, wenn das Gehirn den ganzen Tag ausreichend Klang erhält.
- Rauschfunktion behutsam nutzen: Wenn ein Rauschen eingesetzt wird, sollte es meist leiser als der Tinnitus sein, sodass dieser noch hörbar bleibt. Die genaue Einstellung legt Ihr Hörakustiker in Absprache mit der HNO-Praxis fest.
- Geduld: Veränderungen zeigen sich oft erst nach Wochen.
Hörgeräte als Teil eines Gesamtkonzepts
Die Leitlinie empfiehlt, Hörgeräte mit Beratung und bei starker Belastung mit einer tinnitusspezifischen kognitiven Verhaltenstherapie zu kombinieren. Dabei lernen Sie, wie Aufmerksamkeit, Gedanken und Gefühle das Erleben des Tinnitus beeinflussen und wie Sie anders damit umgehen können. Viele Menschen erleben so, dass das Geräusch zwar bleibt, aber seinen Schrecken verliert.
Praktische Tipps für Alltag und Nacht finden Sie im Beitrag Leben mit Tinnitus.
Was Sie realistisch erwarten können
Viele Menschen erhoffen sich, dass ihr Tinnitus mit dem Hörgerät verschwindet. Das passiert in der Regel nicht. Ein realistisches Ziel ist, dass das Geräusch seltener im Mittelpunkt steht, dass Gespräche leichter fallen und dass Sie abends weniger erschöpft sind. Manche bemerken die Veränderung erst im Rückblick, wenn sie merken, dass sie an ihren Tinnitus seltener gedacht haben.
Wenn Sie nach einigen Wochen keine Veränderung spüren, ist das kein Grund aufzugeben. Sprechen Sie mit Ihrem Hörakustiker über die Einstellung und mit Ihrer HNO-Praxis über weitere Bausteine wie eine Verhaltenstherapie. Und tragen Sie die Geräte weiterhin, denn auch das bessere Verstehen ist ein Gewinn.
Wenn Sie keinen messbaren Hörverlust haben
Manche Menschen haben einen belastenden Tinnitus, aber im Tonaudiogramm keinen versorgungspflichtigen Hörverlust. Für sie kommt ein Hörgerät in der Regel nicht infrage. Hier stehen Beratung und Verhaltenstherapie im Vordergrund. Ein Tinnitusgerät kann nach fachärztlicher Prüfung ergänzend erprobt werden.
Woran Sie eine gute Beratung erkennen
- Sie werden gefragt, wie stark der Tinnitus Sie belastet, nicht nur, wie laut er ist.
- Es wird ein Hörtest gemacht und erklärt.
- Niemand verspricht Ihnen, dass der Tinnitus verschwindet.
- Sie können verschiedene Einstellungen im Alltag ausprobieren.
- Bei Bedarf wird auf ärztliche und psychotherapeutische Hilfe hingewiesen.
Erster Schritt
Wenn Sie Ihr Ohrgeräusch beschreiben möchten, hilft der kostenlose Tinnitus-Finder. Ob zusätzlich ein Hörverlust vorliegt, gibt der Online-Hörtest einen ersten Hinweis. Die Abklärung in der HNO-Praxis ersetzt beides nicht.
Häufige Fragen
Hilft ein Hörgerät gegen Tinnitus?
Wenn zusätzlich ein Hörverlust besteht, kann ein Hörgerät helfen, dass der Tinnitus weniger auffällt und weniger belastet. Es heilt den Tinnitus nicht.
Was ist ein Noiser?
Ein Tinnitusgerät, das ein leises, gleichmäßiges Rauschen erzeugt. Es kommt bei chronischem, belastendem Tinnitus ohne versorgungspflichtigen Hörverlust in Betracht.
Zahlt die Krankenkasse ein Tinnitusgerät?
Ja, wenn die Voraussetzungen der Hilfsmittel-Richtlinie erfüllt sind. Dazu gehören eine fachärztliche Untersuchung und eine Erprobungsphase von mindestens vier Wochen.
Brauche ich bei neuem Tinnitus eine neue Verordnung für Hörgeräte?
Ja. Bei neu aufgetretenem Tinnitus ist laut Hilfsmittel-Richtlinie auch für eine Folgeversorgung eine ärztliche Verordnung nötig.
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Quellen
- AWMF: S3-Leitlinie Chronischer Tinnitus (017/064): register.awmf.org
- G-BA: Hilfsmittel-Richtlinie, Abschnitt C Hörhilfen (Stand 2025): www.g-ba.de
- gesund.bund.de: Tinnitus: gesund.bund.de
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
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