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Hörverlust verstehen

Ohrenschmalzpfropf: Ursache für dumpfes Hören

Redaktion HörviaStand: Oktober 20265 Min. Lesezeit

Ein Ohrenschmalzpfropf kann den Gehörgang verschließen und das Hören dumpf machen, ähnlich wie ein Ohrstöpsel. Das ist meist harmlos und gut behandelbar. Wattestäbchen machen es dagegen oft schlimmer, weil sie das Schmalz tiefer in den Gehörgang schieben.

Wozu Ohrenschmalz gut ist

Ohrenschmalz, in der Fachsprache Cerumen, ist kein Schmutz. Drüsen im äußeren Gehörgang bilden es, um die Haut zu pflegen und vor Keimen, Staub und Austrocknung zu schützen. Normalerweise wandert es langsam von selbst nach außen, unterstützt durch Kaubewegungen. Dort trocknet es und fällt unbemerkt heraus.

Wie ein Pfropf entsteht

Manchmal funktioniert diese Selbstreinigung nicht. Dann sammelt sich das Schmalz und bildet einen festen Pfropf. Begünstigt wird das durch:

  • Wattestäbchen: Sie schieben einen Teil des Schmalzes nach innen und verdichten es.
  • Hörgeräte, Ohrstöpsel und In-Ear-Kopfhörer: Sie behindern den natürlichen Abtransport.
  • Enge oder gewundene Gehörgänge
  • Viel oder besonders festes Ohrenschmalz, das manche Menschen von Natur aus bilden
  • Höheres Alter: Das Schmalz wird oft trockener und fester.

Typische Beschwerden

  • das Ohr fühlt sich zu oder verstopft an
  • dumpfes Hören, oft nur auf einer Seite
  • die eigene Stimme klingt seltsam laut
  • manchmal Juckreiz, ein Ohrgeräusch oder leichter Schwindel

Wichtig: Diese Beschwerden können auch andere Ursachen haben, etwa einen Infekt, Flüssigkeit im Mittelohr oder einen Hörsturz. Ein Blick ins Ohr in der Arztpraxis klärt das schnell.

Oft tritt das Gefühl plötzlich auf, etwa nach dem Duschen oder Schwimmen. Wasser lässt das Schmalz aufquellen, sodass ein bisher kleiner Spalt ganz verschlossen wird.

Was Sie selbst tun können und was nicht

Nach den Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) können bei manchen Menschen Ohrentropfen helfen, das Schmalz aufzuweichen, etwa mit Kochsalzlösung oder Öl. Lassen Sie sich in der Apotheke beraten. Abgeraten wird dagegen von:

  • Wattestäbchen, Haarnadeln, Pinzetten oder anderen Gegenständen im Gehörgang
  • sogenannten Ohrkerzen
  • Spülungen auf eigene Faust, wenn Sie ein verletztes Trommelfell haben könnten oder am Ohr operiert wurden
Wenn Sie Schmerzen haben, Flüssigkeit aus dem Ohr läuft, Sie Fieber oder Schwindel bekommen oder plötzlich deutlich schlechter hören, gehen Sie bitte in eine Arztpraxis und behandeln nicht selbst.

Wie die Praxis einen Pfropf entfernt

In der Hausarztpraxis oder HNO-Praxis wird zuerst ins Ohr geschaut. Ist der Gehörgang verlegt, gibt es mehrere Wege: eine Spülung mit körperwarmem Wasser, das Absaugen unter dem Mikroskop oder die Entfernung mit einem feinen Instrument. Bei hartem Schmalz kann es nötig sein, es vorher einige Tage mit Tropfen aufzuweichen. Danach hören die meisten Menschen sofort wieder normal.

Die Entfernung ist in der Regel nicht schmerzhaft. Ein kurzes Kitzeln, ein Kältegefühl oder leichter Schwindel während der Spülung sind möglich und vergehen schnell. Für gesetzlich Versicherte ist die Behandlung bei Beschwerden eine Kassenleistung.

Wer besonders aufpassen sollte

Bei manchen Menschen ist Vorsicht beim Selbstbehandeln angebracht. Dazu gehören Menschen mit einem Loch im Trommelfell, mit Paukenröhrchen, nach Operationen am Ohr, mit Diabetes oder geschwächtem Immunsystem und Menschen, die häufig Entzündungen im Gehörgang haben. Für sie gilt: Ohrentropfen oder Spülungen nur nach Rücksprache mit der Arztpraxis. Auch bei Kindern sollten Eltern nichts in den Gehörgang einführen. Wenn ein Kind schlecht hört oder sich oft an das Ohr fasst, ist der Kinderarzt oder die HNO-Praxis die richtige Adresse.

Ohrenschmalz und Hörgeräte

Wer ein Hörgerät trägt, bildet nicht unbedingt mehr Schmalz, aber der Abtransport ist behindert. Außerdem kann Schmalz den Hörer oder den Schallschlauch verstopfen. Das Gerät klingt dann leiser oder verzerrt. Viele Hörgeräte haben deshalb kleine Schutzfilter, die Sie selbst wechseln können. Wie das geht, erklärt der Beitrag Hörgeräte pflegen und reinigen. Lassen Sie Ihre Ohren bei Hörgerätenutzung bei den Kontrollterminen anschauen.

Kann man einem Pfropf vorbeugen?

Ganz verhindern lässt sich ein Pfropf nicht, vor allem wenn Sie von Natur aus viel Schmalz bilden. Einige Gewohnheiten helfen aber:

  • Reinigen Sie nur die Ohrmuschel und den Eingang des Gehörgangs, zum Beispiel mit einem feuchten Waschlappen.
  • Verzichten Sie auf Wattestäbchen im Gehörgang.
  • Lassen Sie Ohrstöpsel und In-Ear-Kopfhörer zwischendurch draußen und reinigen Sie sie regelmäßig.
  • Wenn Sie öfter Pfropfen haben, fragen Sie in der Arztpraxis nach regelmäßigen Kontrollen oder geeigneten Tropfen.

Ohrenschmalz bei Kopfhörer-Nutzern

Wer täglich viele Stunden In-Ear-Kopfhörer trägt, kennt manchmal ein Druckgefühl oder dumpfes Hören. Die Ohrstöpsel schieben Schmalz nach innen und verhindern, dass es nach außen wandert. Gönnen Sie Ihren Ohren Pausen, reinigen Sie die Aufsätze regelmäßig und wechseln Sie gelegentlich zu Kopfhörern, die auf oder über dem Ohr sitzen.

Pfropf weg und trotzdem schlecht hören?

Wenn das Hören nach der Entfernung nicht wieder normal ist, steckt vielleicht noch etwas anderes dahinter. Ein Pfropf kann einen schleichenden Hörverlust auch lange überdeckt haben. Ein Hörtest schafft dann Klarheit. Den kostenlosen Online-Hörtest können Sie zur ersten Orientierung zu Hause machen. Weichen beide Ohren deutlich voneinander ab, lesen Sie auch den Beitrag Einseitige Schwerhörigkeit.

Häufige Fragen

Darf ich meine Ohren mit Wattestäbchen reinigen?

Die Ohrmuschel und der Eingang des Gehörgangs ja, mit einem Tuch. In den Gehörgang selbst sollten Sie keine Wattestäbchen einführen, weil sie das Schmalz tiefer schieben und die Haut verletzen können.

Wie lange dauert es, bis ein Pfropf weg ist?

In der Arztpraxis meist nur wenige Minuten. Ist das Schmalz sehr fest, wird es manchmal zuerst einige Tage mit Tropfen aufgeweicht.

Kann ein Ohrenschmalzpfropf Schwindel verursachen?

Gelegentlich ja. Bei Schwindel sollten Sie trotzdem ärztlich abklären lassen, ob eine andere Ursache dahintersteckt.

Sind Ohrkerzen sinnvoll?

Nein. Fachinformationen raten von Ohrkerzen ab, weil ein Nutzen nicht belegt ist und Verletzungen möglich sind.

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Quellen

  1. gesundheitsinformation.de (IQWiG): Ohrenschmalz-Pfropf: www.gesundheitsinformation.de
  2. gesund.bund.de: Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit bei Erwachsenen: gesund.bund.de

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.