Zum Inhalt springen
Hörverlust verstehen

Hörsturz: Symptome erkennen und richtig handeln

Redaktion HörviaStand: Oktober 20266 Min. Lesezeit

Ein Hörsturz ist ein plötzlicher Hörverlust, meist auf einem Ohr und ohne erkennbaren Auslöser. Er ist kein Notfall wie ein Herzinfarkt, gehört aber zügig in ärztliche Hände. Wenn Sie plötzlich schlechter hören, gehen Sie möglichst am selben oder nächsten Tag in eine HNO-Praxis.

Typische Symptome

Viele Betroffene bemerken den Hörsturz morgens nach dem Aufwachen. Andere spüren ihn mitten im Alltag. Häufige Anzeichen sind:

  • ein plötzlich schlechteres Hören auf einem Ohr, von leicht bis vollständig
  • ein Gefühl wie Watte im Ohr oder ein Druck im Ohr
  • ein neues Ohrgeräusch, etwa Pfeifen, Rauschen oder Brummen
  • Geräusche klingen verzerrt, dumpf oder unangenehm laut
  • manchmal Schwindel oder ein unsicheres Gefühl beim Gehen

Schmerzen gehören nicht zum typischen Bild. Treten sie auf, kann eine andere Ursache dahinterstecken, etwa eine Entzündung.

Wann Sie sofort handeln sollten

Gehen Sie bei plötzlichem Hörverlust möglichst am selben oder nächsten Tag zu einer HNO-Praxis. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Bei zusätzlichen Warnzeichen wie Lähmungen im Gesicht, Sprachstörungen, starken Kopfschmerzen oder heftigem Schwindel wählen Sie den Notruf 112.

Ein Online-Hörtest ist bei plötzlichen Beschwerden nicht der richtige Weg. Er kann einen Hörsturz weder feststellen noch ausschließen und kostet im Zweifel wertvolle Zeit.

Was Sie bis zum Termin tun können

  • Notieren Sie, wann die Beschwerden begonnen haben und was Sie bemerkt haben.
  • Schreiben Sie auf, welche Medikamente Sie einnehmen.
  • Meiden Sie Lärm und laute Musik.
  • Fahren Sie nicht selbst Auto, wenn Ihnen schwindelig ist.
  • Nehmen Sie keine Mittel auf eigene Faust ein, die Ihnen nicht ärztlich verordnet wurden.

Rufen Sie in der HNO-Praxis an und sagen Sie ausdrücklich, dass Sie plötzlich schlechter hören. Viele Praxen vergeben für solche Fälle kurzfristige Termine.

Was sind die Ursachen?

Bei den meisten Menschen findet sich keine eindeutige Ursache. Fachleute sprechen dann von einem idiopathischen Hörsturz. Nach dem Bundesgesundheitsportal bleibt die Ursache in über 90 Prozent der Fälle unklar. Diskutiert werden Durchblutungsstörungen im Innenohr, entzündliche Vorgänge, Virusinfektionen und Stress als mögliche Auslöser. Gesichert ist keine dieser Erklärungen.

Wichtig ist deshalb die Abgrenzung. Die HNO-Ärztin oder der HNO-Arzt prüft, ob etwas anderes hinter den Beschwerden steckt, zum Beispiel:

  • ein Ohrenschmalzpfropf oder ein Paukenerguss
  • eine Mittelohrentzündung
  • Morbus Menière, typischerweise mit Drehschwindel
  • seltener Veränderungen am Hörnerv, die mit weiteren Untersuchungen abgeklärt werden

Wie die Untersuchung abläuft

In der HNO-Praxis wird das Ohr mit dem Mikroskop angeschaut. Es folgen ein Tonaudiogramm, oft auch eine Messung der Trommelfellbeweglichkeit und eine Prüfung des Gleichgewichts. Je nach Befund können weitere Untersuchungen folgen, etwa eine Hirnstammaudiometrie oder eine Bildgebung.

Wie ein Hörsturz behandelt wird

Als Erstbehandlung werden häufig entzündungshemmende Glukokortikoide eingesetzt, umgangssprachlich Kortison. Sie können als Tabletten, als Infusion oder als Spritze durch das Trommelfell ins Mittelohr gegeben werden. Welche Form sinnvoll ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt gemeinsam mit Ihnen. Nach aktuellen Erkenntnissen bringt eine sehr hohe Dosis keinen zusätzlichen Nutzen gegenüber der üblichen Dosierung.

Viele Menschen erholen sich ganz oder teilweise, oft auch von selbst. Eine Garantie gibt es aber nicht. Bei manchen bleibt ein dauerhafter Hörverlust oder ein Ohrgeräusch zurück.

Nach der Behandlung: Kontrolle nicht vergessen

Nach einigen Tagen bis Wochen wird das Gehör erneut gemessen. Diese Kontrolle zeigt, ob und wie weit sich das Hören erholt hat. Nehmen Sie den Termin auch dann wahr, wenn Sie sich besser fühlen. Ein Vergleich der Audiogramme ist die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen. Fragen Sie nach einer Kopie Ihrer Messungen.

Wenn das Gehör nicht ganz zurückkommt

Bleibt nach einigen Wochen ein Hörverlust bestehen, wird neu gemessen. Dann geht es um die Frage, wie Sie im Alltag wieder gut verstehen. Je nach Befund kommen in Betracht:

  • ein Hörgerät auf dem betroffenen Ohr
  • bei sehr starkem einseitigem Hörverlust eine CROS-Versorgung, die Schall von der schlechten zur guten Seite leitet
  • in bestimmten Fällen ein Cochlea-Implantat

Mehr dazu lesen Sie im Beitrag Einseitige Schwerhörigkeit. Bleibt ein Ohrgeräusch, finden Sie Hilfen im Beitrag Tinnitus: Ursachen.

Hörsturz und Tinnitus

Sehr häufig tritt zusammen mit dem Hörsturz ein Ohrgeräusch auf. Für viele Betroffene ist es in den ersten Tagen belastender als der Hörverlust selbst. Oft wird das Geräusch leiser, wenn sich das Gehör erholt. Bleibt es länger als drei Monate, spricht man von einem chronischen Tinnitus. Auch dann gibt es gute Hilfen, die vor allem darauf zielen, dass das Geräusch weniger stört.

Kann man einem Hörsturz vorbeugen?

Da die Ursache meist unklar bleibt, gibt es keine sichere Vorbeugung. Allgemein günstig für das Gehör sind Gehörschutz bei Lärm, ein gut eingestellter Blutdruck und ein achtsamer Umgang mit Dauerstress. Wer schon einmal einen Hörsturz hatte, sollte bei erneuten Beschwerden besonders schnell reagieren.

Nach der akuten Phase

Wenn die ärztliche Behandlung abgeschlossen ist und Sie wissen möchten, wie Sie mit einem verbleibenden Hörverlust umgehen, sprechen wir gern mit Ihnen im kostenlosen Online-Erstgespräch. Wir vermitteln Ihnen bei Bedarf einen Hörakustik-Meisterbetrieb in Ihrer Nähe, der mit Ihrer HNO-Praxis zusammenarbeitet.

Häufige Fragen

Ist ein Hörsturz ein Notfall?

Medizinisch gilt er nicht als Notfall im engeren Sinn. Sie sollten aber möglichst am selben oder nächsten Tag zu einer HNO-Praxis gehen. Bei Lähmungen, Sprachstörungen oder starkem Schwindel wählen Sie die 112.

Geht ein Hörsturz von selbst weg?

Oft erholt sich das Gehör ganz oder teilweise, auch ohne Behandlung. Das lässt sich im Einzelfall aber nicht vorhersagen. Deshalb ist eine ärztliche Abklärung wichtig.

Kann Stress einen Hörsturz auslösen?

Stress wird als möglicher Auslöser diskutiert, ein sicherer Zusammenhang ist nicht belegt. In den meisten Fällen bleibt die Ursache unbekannt.

Kann ich einen Hörsturz online testen?

Nein. Bei plötzlichem Hörverlust ersetzt kein Online-Test die Untersuchung in der HNO-Praxis.

Kostenloses Erstgespräch anfragen →

Quellen

  1. gesund.bund.de: Hörsturz: gesund.bund.de
  2. Deutsche Tinnitus-Liga: Hörsturz: www.tinnitus-liga.de
  3. G-BA: Hilfsmittel-Richtlinie, Abschnitt C Hörhilfen (Stand 2025): www.g-ba.de

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.